Sport : Träumender Realist

Alba-Kapitän Mamic und sein Weg zurück

Helen Ruwald

Berlin - Sechseinhalb Stunden verbringt Matej Mamic täglich im Unfallkrankenhaus Marzahn. Zwischen Patienten, die sich nur mit Mühe bewegen können, macht Alba Berlins Basketballprofi Physiotherapie und Gleichgewichtsübungen. Nach vier Monaten überraschend erfolgreicher, aber monotoner Reha sagt der 31-jährige Kroate: „Es kann hier auch langweilig sein.“ Auch deshalb wird der Alba-Kapitän wahrscheinlich ab kommender Woche nur vormittags in Marzahn behandelt werden und nachmittags in der Max-Schmeling-Halle mit den Alba-Trainern arbeiten – individuell. Mannschaftstraining mit Körperkontakt kommt zu früh, werfen aber wird er mit dem Team. „Er soll den Schweiß riechen und die Flüche hören“, sagt Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt. Aus dem Patienten soll wieder der Sportler werden. Kraft- und Konditionstraining werden auf die Bedürfnisse eines Basketballers ausgerichtet. „Das ist der nächste Schritt, es bedeutet nicht, dass er in drei Wochen wieder spielen kann“, sagt Teammanager Henning Harnisch.

Ob Mamic je wieder Leistungssport treiben kann, ist offen. Am 26. November 2005 hatte er sich im Spiel gegen Trier eine Rückenmarksprellung zugezogen und war zeitweise vollständig gelähmt. Seit dem 2. Februar wird er nicht mehr stationär behandelt, er kann wieder Autofahren und war eine Woche in Kroatien. Probleme hat er laut Schmidt bei der Feinmotorik und Koordination, wenn er spontan entscheiden soll, welche Bewegung er machen muss. Vielleicht werde Mamic beim neuen Training erstmals einen Rückschritt erleben. Doch weil die bisherigen, riesigen Fortschritte für Schmidt medizinisch nicht zu erklären sind, will er „nicht völlig ausschließen“, dass Mamics Vision wahr wird: in den Play-offs eine Minute zu spielen. Auch Assistenztrainer Calvin Oldham sagt: „Bei Mamic ist alles realistisch. Ich bin ein Fan von ihm.“ Mamic ist zu „99,9 Prozent“ von seinem Comeback überzeugt. Er ist Realist genug zu wissen, dass er erst zur neuen Saison wieder spielen sollte. Es schon in den Play-offs zu versuchen, „wäre nicht gut für Alba und nicht gut für mich“. Eigentlich. Doch seine Träume lässt sich Matej Mamic nicht nehmen.

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