Tragik im Leistungssport : Am Ende entscheidet sich alles im Kopf

Tony Martins plötzliches Ausscheiden bei der Tour de France zeigt einmal mehr, wie hart das Leben eines Leistungssportlers sein kann. Nur wer solche Tiefs überwinden kann, schafft es auch an die Weltspitze. Ein Kommentar.

Jule Sophie Hermann

Der Sturz von Tony Martin steht fast schon sinnbildlich für die Tragik, der Leistungssportler immer wieder ausgeliefert sind. Sie arbeiten hart, opfern viel, und dann wird einem kurz vor dem Ziel der Boden unter den Füßen weggerissen. Sie scheitern, verlieren, verletzten sich, erleiden Schicksalsschläge. Mit diesen ständig wechselnden Zuständen gilt es umzugehen und sie so gut wie möglich zu bewältigen. Viele Sportler scheitern an einer Profikarriere, weil sie einmal zu viel gefallen sind – und plötzlich nicht mehr aufstehen können.

Topathleten kämpfen ständig mit Hochs und Tiefs, egal in welcher Sportart. Ein Fehlstart zu viel in der Leichtathletik, und der Sportler ist bis heute sicher, den Startschuss gehört zu haben. Ein Eiskunstläufer trainiert das ganze Jahr den dreifachen Axel bis zur Perfektion, um dann beim wichtigen Wettkampf zu stürzen. Solche Rückschläge erfordern große mentale Stärke. Deswegen schaffen es die Wenigsten an die Weltspitze des Leistungssports. Am Ende entscheidet sich alles im Kopf, der so stur, unbeugsam und positiv eingestellt sein muss, dass er die Tiefs überwinden kann.

Für Tony Martin geht nun alles wieder von vorne los

Doch ist das Scheitern denn wirklich immer etwas Schlechtes? Absolut nicht, denn auch mentale Stärke wächst mit ihren Aufgaben. Diese Erfahrung scheint auch der Schweizer Tennisspieler Stan Wawrinka gemacht zu haben. Die aktuelle Nummer drei der Weltrangliste ließ sich im Vorjahr ein Zitat des irischen Schriftstellers Samuel Beckett auf den Unterarm tätowieren: „Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“  Wawrinka hat in diesem Jahr mit den French Open sein zweites Grand-Slam-Turnier gewonnen.

Auch Tony Martin muss sich nun selbst überlisten und positiv bleiben. Nach seiner Operation darf er wahrscheinlich in ein paar Wochen schon wieder Rennen fahren. Und dann geht alles wieder von vorne los: Versuchen. Scheitern. Aufstehen. Wieder versuchen.

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