Sport : Tragisch statt magisch

Roger Federer unterliegt dem Tschechen Thomas Berdych im Viertelfinale von Wimbledon und sehnt sich nach einer Pause

Petra Philippsen[London]

Die 15 000 Zuschauer spürten offenbar, dass dies nicht der Roger Federer war, den sie als sechsmaligen Champion kannten. Die „Roger, Roger“-Rufe hallten über voll besetzten Tribünen und verstummten auf einen Schlag. Tomas Berdych hatte Matchball, schon seinen zweiten. Die Zuschauer hielten ihren Atem an. Sie hofften immer noch auf die Wende. Berdych servierte mit über 200 Stundenkilometern, wie so oft an diesem Nachmittag. Roger Federer erwischte den Return nicht richtig, sein Schlag war eine reine Vorlage. Und Berdych versenkte den Ball.

Dem Tschechen war die Sensation gelungen. Er hatte Federer im Viertelfinale von Wimbledon 6:4, 3:6, 6:1 und 6:4 geschlagen. „Ich bin sprachlos, ich kann nicht glauben, dass ich so einen Spieler geschlagen habe“, sagte Berdych, „das letzte Aufschlagspiel war das schwerste, was ich je spielen musste.“

Federer war die Enttäuschung anzusehen, dennoch gratulierte er seinem Gegner, wie er es stets nach Niederlagen tut. Selbst, wenn sie so schmerzen wie diese. Mit Pete Sampras hatte er am Sonntag im Finale gleichziehen wollen. Dann wäre er zum siebten Mal Wimbledonsieger gewesen, das hätte ihm viel bedeutet. Stattdessen musste er den All England Club bereits am Mittwoch verlassen, so früh wie seit 2002 nicht mehr.

Seitdem war Federer immer ins Endspiel eingezogen und musste sich dort nur einmal seinem spanischen Erzrivalen Rafael Nadal, der sein Viertelfinalmatch gegen Robin Söderling 3:6, 6:3, 7:6, 6:1 gewann, in fünf Sätzen geschlagen geben. Das war seine schlimmste Niederlage. Viel besser fühlte sich Federer nun auch nicht. „Er war sehr stark und viel konstanter als sonst“, sagte Federer, „ich bin sehr enttäuscht, dass ich die Niederlage nicht verhindern konnte.“ Er erklärte weiter, dass er Probleme mit seinem Rücken und dem rechten Bein gehabt hatte, das habe ihn schon seit dem Turnier in Halle vor drei Wochen behindert, wo er dem Australier Lleyton Hewitt im Finale unterlegen war. „Ich habe mich nicht wohl gefühlt“, sagte Federer, „so kann man nicht gewinnen.“ Zehn Mal hatte er bereits gegen den Weltranglistendreizehnten gespielt und acht Mal gewonnen. Berdych enttäuschte die Aussage Federers. „Normalerweise sucht Roger nicht nach Entschuldigungen, das ist schade“, sagte Berdych.

Jahrelang galt dieser als großes Talent, doch erst zuletzt bei den French Open in Paris schaffte er es ins Halbfinale. Ein erstes Indiz, dass Berdych an seiner Nervenschwäche gearbeitet hatte. So konnte er mit seinen harten Aufschlägen konstant Druck ausüben. Federer hingegen hatte schon in den ersten beiden Runden Probleme mit schwächeren Gegnern gehabt, doch an diesem Tag vermochte er die Partie nicht mehr zu drehen. Er sagte: „Wenn das Aus ein Gutes hatte, dann dass ich jetzt eine Pause bekommen.“

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