Sport : Trainer Berlusconi

AC Mailand gewinnt das Lokalderby gegen Inter 1:0

Vincenzo Delle Donne

Mailand. Silvio Berlusconi höchstpersönlich war gekommen, um die Spieler von AC Mailand auf den Sieg einzuschwören. Schließlich musste der Ministerpräsident, gleichzeitig Klubpräsident von Milan, beim Mailänder Derby gegen Inter befürchten, dass der Traum vom Titelgewinn kläglich enden würde. Und das nach der spektakulären Verpflichtung des brasilianischen Stars Rivaldo. Berlusconis Appell war anscheinend gehört worden.Der AC Mailand gewann im ausverkauften Giuseppe-Meazza-Stadion 1:0, wahrte seine Meisterschafts-Chance und stürzte den Lokalrivalen Inter in eine kleine Krise. Den einzigen Treffer der Partie erzielte Stürmer Pippo Inzaghi in der 62. Minute nach Zuspiel von Manuel Rui Costa. Es war Inzaghis 26. Saisontor.

An diesem Abend ging es jedoch lediglich darum, wer in der Meisterschaft den Part der zweiten Geige spielen würde. Den Ton gibt derzeit Juventus Turin an. Inter Mailand hielt in den vergangenen Spielen allein durch die Tore eines glänzenden Christian Vieri Anschluss an Juventus. Nach der neuerlichen Niederlage dürfte Inters Präsident Massimo Moratti auch in diesem Jahr den angepeilten Meistertitel abschreiben.

Seit Jahren arbeitet Moratti auf das Ziel Titelgewinn hin und investierte enorm viel Geld. Nach dem Spiel machte Moratti keinen Hehl aus seiner Enttäuschung. „Ich habe mit meinen Spielern lange über das Spiel diskutiert, um Dampf abzulassen, um den Schmerz über die Niederlage zu unterdrücken“, sagte Moratti. Wackelig dürfte jetzt auch die Position von Trainer Hector Cuper sein, der schon seit Wochen in der Kritik steht.

Sein Kontrahent Carlo Ancelotti, dem der Makel des ewigen Zweiten anhängt, dürfte mit dem Derbysieg seinen Job vorerst gerettet haben. Ein Problem wird Trainer Ancelotti jedoch weiterhin beträchtliches Kopfzerbrechen bereiten: das Formtief von Rivaldo. Der brasilianische Star ist ein Schatten seiner selbst. Die Psychologin der brasilianischen Nationalmannschaft, Regina Brandao, hatte die Mailänder über Rivaldos Gemütszustand vorsorglich informiert. Rivaldo, so die Psychologin, könne zum Matchwinner werden und die Mannschaft nach vorn treiben, aber auch abtauchen, wenn er weder Rückhalt noch das absolute Vertrauen seiner Mitspieler spüre. Er leide einerseits unter der Trennung von seiner Familie, andererseits habe er Schwierigkeiten, mit der Konkurrenzsituation zurechtzukommen. Insbesondere die Rivalität mit Stürmerkollegen wie Andrej Schewtschenko und Pippo Inzaghi schlüge ihm aufs Gemüt.

Ancelotti setzt Rivaldo unterdessen nur als Joker ein, und schon munkelt man über Abwanderungsgedanken des Brasilianers. Angeblich lockt ihn England. Vincenzo Delle Donne

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben