Trainer-Entlassung : Bayern, hör’ die Signale

Die Entlassung van Gaals war die allerletzte Möglichkeit, noch zu retten, was vielleicht nicht zu retten ist. Dass nun Andries Jonker die Sache richten soll, ist überraschend. Dem FC Bayern steht das Wasser wirklich bis zum Hals.

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Panik? Ja, man muss das wohl Panik nennen, was die Chefs des FC Bayern da ergriffen hat, das blanke Entsetzen beim Anblick der Tabelle. Platz vier bedeutet ja nicht nur das Verpassen der Champions League-Qualifikation und die Pflichtteilnahme in der ungeliebten Europa League. Es bedeutet auch nicht nur Mindereinnahmen, die die Bayern ja verkraften könnten. Und es wäre auch nicht einfach nur eine Blamage, die mal geschehen kann. Was, wenn die Bayern sich tatsächlich nicht höher platzieren? Dann besteht die Gefahr, dass sie sich von diesem Unfall nicht so schnell erholen werden.

Ob die Mannschaft dann zu halten ist, wird eine Frage sein. Denn die Stars, und nicht nur Robben und Ribéry, sind umworben und haben es nicht nötig, unterklassig zu spielen. Eine zweite Frage wird sich stellen, die nach der Signalwirkung. Und es wird dann festzustellen sein, dass der FC Bayern München im ersten Jahr ohne seinen Manager Uli Hoeneß nicht auskommen kann. Es ist keine wüste Phantasie, dass die Personalie Nerlinger dann auch auf dem Prüfstand steht, man kann sich leicht ausmalen, wie diese Prüfung ausfallen wird. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem der FC Bayern auf Entschleunigung setzt. Dafür haben sie doch Jupp Heynckes verpflichtet, um wieder Konstanz und Kontinuität herzustellen, die ihnen abhandengekommen waren seit dem ersten Fehlgriff Jürgen Klinsmann.

Sie mussten reagieren. Nach der Niederlage gegen Inter Mailand hätten sie schon reagieren können, aber warum hätten sie es da tun sollen? Die Mannschaft hatte funktioniert, es deutete nichts darauf hin, dass van Gaal als Auslaufmodell seine Spieler nicht mehr erreicht. Das war in Nürnberg nun völlig anders. Geradezu lustlos war der Auftritt, und das aber ist es doch, was ein Trainer zu vermitteln hat: die richtige Einstellung. Die war offensichtlich nicht vorhanden. Ob van Gaal taktische Fehler gemacht hat, ob er falsche Personalentscheidungen traf, etwa als er den Torwart austauschte ohne Not, all das wird in der Bilanz seiner Zeit eine Rolle spielen. Jetzt, an diesem Wochenende war das unerheblich. Jetzt stellte sich nur noch die Frage, ob der Trainer noch die Kraft hat, seine Spieler anzusprechen. Er hat sie nicht mehr. Stattdessen war seine Entlassung die allerletzte Möglichkeit, noch zu retten, was vielleicht nicht zu retten ist.

Dass nun sein Assistent, der stets loyale Andries Jonker, die Sache richten soll, ist überraschend, weil Jonker dabei saß, als vor Wochen im Hause Rummenigge die vorzeitige Ablösung van Gaals zum Saisonende hin beschlossen wurde. Jonker hatte dabei sein Engagement abgelehnt. Wohl auch, weil er wusste, dass er nur zweite Wahl ist und auf Abruf agieren darf. Nun spielt er den Nothelfer. Auch keine glückliche Fügung. Dem FC Bayern steht das Wasser wirklich bis zum Halse.

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