Sport : Trainer für Schiedsrichter

Manfred Amerell

Beim Spiel Hertha BSC gegen Borussia Mönchengladbach hat Schiedsrichter Markus Merk ein klares Foul an Hertha-Stürmer Pantelic im Gladbacher Strafraum nicht gepfiffen. Schon vergangene Woche, beim Spiel Nürnberg – Bielefeld, hatte Merk eine bedeutsame Fehlentscheidung getroffen, die zu einem Elfmeter für Bielefeld führte. Wie müssen Schiedsrichter mit solchen Situationen umgehen, Herr Amerell?

Also, erst mal vorweg: Das Niveau der Bundesliga-Schiedsrichter ist exorbitant hoch. Man hat sich inzwischen so an dieses Niveau gewöhnt, dass man sich jetzt an einzelnen Fehlern hochzieht. In Zeitlupe ist es leicht, das Foul an Pantelic zu erkennen, auf dem Platz geht alles in Sekundenbruchteilen, zudem hat Merk aufgrund seiner Wahrnehmung so entschieden, wie er das für richtig hielt. Es gibt die Maxime: Im Zweifel lieber einen Strafstoß nicht geben als einen pfeifen. In Nürnberg allerdings pfiff Merk, weil sein Assistent klar Foul angezeigt hatte.

Aber auch Schiedsrichter sind nur Menschen. Natürlich treffen die auch mal eine Fehlentscheidung. Auf dem Platz ist es jedoch nicht möglich, so einen Irrtum zu korrigieren. Einen Fehler muss man sofort abhaken, das Spiel geht ja weiter. Für Schiedsrichter gilt: Wer beim Pfeifen anfängt zu denken, der macht schon den zweiten Fehler. Doch nach dem Abpfiff üben Schiedsrichter intern selbstverständlich Selbstkritik. Nur so können sie sich weiterentwickeln. Da wird teilweise knallhart geredet. In Nürnberg war ich Schiedsrichtercoach. Merk, seine Assistenten und ich haben uns das Spiel nach Abpfiff auf DVD noch mal angeschaut. Da war klar zu erkennen, dass der Assistent Foul angezeigt hatte. Wir Schiedsrichtercoaches fühlen uns aber nicht als Strafrichter, wir haben die Aufgabe, den Schiedsrichtern mit unserer Analyse zu helfen. Wir sind quasi die Trainer der Unparteiischen.

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