Trainer in der Kritik : Armin Veh: Worte ohne Wirkung

Der Wolfsburger Trainer Armin Veh steht nach einer weiteren desolaten Vorstellung des vormaligen Meisterteams in der Kritik. Der Klub versinkt wieder im Mittelmaß.

Christian Otto[Wolfsburg]
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Armin Veh.Foto: ddp

Ganz unten, im Keller des Wolfsburger Fußballstadions, stand Josué tapfer seinen Mann. Der schweigsame Brasilianer zieht es in der Regel vor, seine Teamkollegen vor die Kameras und Mikrofone treten zu lassen. Aber nach der 1:3-Niederlage des Deutschen Meisters gegen Borussia Dortmund, der vierten Heimniederlage dieser Saison, sah der kleine Kapitän offenbar großen Handlungsbedarf. „Armin Veh ist ein guter Trainer und ein guter Freund“, sagte Josué und versicherte, dass man alles versuchen werde, um ein Team zu bleiben. Bedenklich ist aber, dass Veh alle Lorbeeren der umjubelten Meistersaison schon vor dem Ende der Hinrunde aufgebraucht hat.

Die Mimik von Jürgen Marbach ließ nichts Gutes erahnen. Als der Geschäftsführer der Wolfsburger am Sonntagabend gebeten wurde, zu einer weiteren desolaten Vorstellung einer völlig mutlosen Mannschaft Stellung zu beziehen, sah er sehr bleich aus. Nach dem frühen Aus im DFB-Pokal und einem leichtfertig verspielten Einzug in das Achtelfinale der Champions League sind die Wolfsburger wieder dort angekommen, wo sie nicht mehr sein möchten: im Mittelmaß der Liga. „Das ist der absolute Tiefpunkt“, kommentierte Marbach den neunten Tabellenplatz und sprach von akutem Handlungsbedarf. Auch er versuchte, dem Trainer den Rücken zu stärken: „Das Konzept von Armin Veh stimmt ja. Aber die Spieler setzen es nicht um.“ Obwohl gut gemeint, war diese Aussage aber eindeutiger Beleg für eine ernsthafte Störung im Mannschaftsgefüge.

Hinzu kommt der verstärkte Unmut der Fans, die ihr Team nach der Niederlage auspfiffen und „Armin raus“-Rufe anstimmten. Die Dortmunder zeigten viel Spielfreude und Leidenschaft, beim Gastgeber sah man nur hängende Köpfe und zuckende Schultern. Der Ehrentreffer durch Grafite wurde kaum bejubelt. Und Veh fiel nicht mehr ein, als sich auf die Winterpause zu freuen: „Die spielfreie Zeit wird uns helfen, uns zu sammeln.“ Schneller als gedacht liegen die Vergleiche zu Vehs Zeit beim VfB Stuttgart nahe, wo er einst entlassen wurde, nachdem die Schwaben als Meister kläglich in der Champions League gescheitert waren.

„Ich weiß gar nicht, wie viele Gegentore wir schon bekommen haben“, sagte Veh zum Abwehrverhalten seines Teams, das er mit fragwürdigen Umstellungen offenbar grundlegend irritiert. 30 Gegentore in 16 Spielen sind die Folge. Mit seinem Galgenhumor wird Veh dagegen sicher nichts unternehmen können.

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