Sport : Trainer Pesic sieht Verein auf dem richtigen Weg

Benedikt Voigt

Irgendjemand aus der Werbeabteilung von Alba Berlin muss das Ergebnis vorausgeahnt haben. Sonst wäre wahrscheinlich nicht die neueste Alba-Kollektion direkt vor dem Eingang des VIP-Raumes platziert worden. Dorthin, wo jeder hindurch muss, der zum Buffet und den Getränken vorstoßen will. Nach dem Spiel gegen Ljubljana (69:74) war von Werbeaktionen mit Schuhen und Trikots neuester Fabrikation wenig zu sehen gewesen. Verständlich, wer wirbt schon gern mit Verlierern?

Am Mittwochabend aber strahlte ein Trikot in hellem Alba-Gelb durch den Vorraum der Max-Schmeling-Halle, denn seit Mittwochabend zählt der Deutsche Meister wieder zu den Gewinnern in der Europaliga. Durch das 80:64 (39:31) über den amtierenden Europaliga-Meister Zalgiris Kaunas kann Alba Berlin nach zuletzt drei sieglosen Spielen in der europäischen Eliteklasse wieder neue Hoffnung schöpfen. "Heute war die Einstellung sehr gut", lobte Trainer Svetislav Pesic, "jeder hat für jeden gespielt." Die harte Verteidung, die sein Team schon in den Bundesligaspielen zuvor erfolgreich erprobt hatte, hatte sich gegen die Litauer erstmals ausgezahlt.

Besonderen Dank stattete der Coach seinem Flügelspieler Wendell Alexis ab. Nicht, weil der 2,04 Meter große US-Amerikaner mit 22 Punkten Topscorer war, sondern weil Alexis dann getroffen hatte, als es besonders wichtig war. Nach fünf Minuten zum Beispiel, als Kaunas 8:4 führte und die Zuschauer ruhiger wurden, warf der stille US-Amerikaner sein Team wieder in Führung. Ebenso zwei Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit, als Kaunas wieder auf 30:33 herangekommen war, erzielte Alexis vier seiner 17 Zähler aus dem ersten Durchgang. Der 35-Jährige knüpfte an die Leistung vergangener Jahre in der Europaliga an. Pesic lobte in der ihm eigenen Diktion: "Eine alte Wendell".

Auch Henrik Rödl, der auf eine beachtliche Trefferquote von 83 Prozent und 15 Punkte kam, zählte zu Albas Besten an diesem Abend. Aufbauspieler Frankie King hingegen war die tragische Figur, weil ihm in der Offensive nichts gelingen wollte. Ademola Okulaja traf sogar überhaupt nichts. "Frankie hat noch gesundheitliche Probleme", entschuldigte Pesic, "aber er hat uns mit seiner Defense sehr geholfen." Einige Minuten vor Spielschluss war der US-Amerikaner über seine Angriffsleistung (23 Prozent Wurfquote) so verärgert, dass er seinen Kopf an die Polsterung der Korbanlage hieb.

Auch Zalgiris-Coach Jonas Kazlaukas war sauer: "So ein tragisches Spiel ist schwer zu kommentieren." Kaunas besaß kein Ähnlichkeit mehr mit dem Team, das im April die Europaliga gewann. Nichts zu sehen von atemberaubendem Tempospiel, nicht zu sehen von gefürchteten Distanzschützen. Die Litauer trafen nur noch jeden dritten Wurf. In alter Form erschien nur Schobtajus Kalmanowitschius. Der Hauptsponsor, eine schillernde Figur, bat bei der Pressekonferenz um Geduld für seine Mannschaft: "Im letzten Jahr fingen wir auch mit einem Sieg und einer Niederlage an - und wir endeten als Champions."

Das ist eine gute Nachricht für Alba, denn die Berliner haben gegenwärtig dieselbe Bilanz. Am nächsten Mittwoch kommt der hohe Europaliga-Favorit Panathinaikos Athen. "Wir hoffen, dass Athen auch am Wochenende gewinnt, und damit weiter ungeschlagen ist", sagt Pesic und erklärt auch gleich warum. "Damit Panathinaikos bei uns die erste Niederlage erlebt."

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