Sport : Trainer Ralf Rangnick zieht sein Konzept durch und der Teamgeist wächst

Oliver Trust

Wenn das nicht alles wunderbar passt. Gestern war Soccerparty. Früher hieß das Tag der offenen Tür. Den Fans ist das wurscht, sie haben dem VfB Stuttgart die Bude eingerannt. Ja, sie waren erleichtert, die Fußballfreunde. Und stolz. Auf ihren VfB. Endlich ist die schwäbische Sportwelt wieder in Ordnung. Nun fürchtet keiner mehr, dass sie aus der Bundesliga womöglich nach unten durchgereicht werden. Und das, weil es der Klub quasi in letzter Minute geschafft hat, doch noch ein paar Spieler zu holen. Solche, die man kennt und die einen guten Klang haben. Wer will schließlich etwas von den Jugendsünden eines Sean Dundee hören. Drei, vier Millionen Mark Ablöse? Das war doch der, der beim Karlsruher SC so toll getroffen hat. So wird auch der eingebürgerte Südafrikaner zum Schnäppchen im Sommerschlussverkauf. Und dann noch dieser Brasilianer. Didi. Mit 23 Jahren immerhin schon mal Meister am Zuckerhut. Wie stark Brasilianer sind, ist deutschen Fußballfans ja seit den langen Nächten des Confederations Cups vor dem Fernseher bekannt.

Irgendwie ist die Stimmung in Schwaben nun umgeschlagen. Obwohl Trainer Ralf Rangnick und Team-Manager Karlheinz Förster immer noch lieber im Hintergrund die Strippen ziehen. Es traf den Nerv der Anhänger, als sie in den Zeitungen diesen häppchenweise preisgegebenen Verhaltenskatalog lesen durften. Handyverbot hier und da, scharfe Kontrollen bei nächtlichen Ausgängen - und und und. Für die jungen Spieler legte Rangnick sogar genaue Richtlinien für den Autokauf fest: "Da reicht die A-Klasse." Und als im Trainingslager in Schruns sogar ein Psychologe auftauchte, da wusste jeder - der Rangnick meint es ernst. Keine großen Sprüche, das zarte Pflänzchen Teamgeist wächst. Im Fernsehen übertrugen sie Gymnastikstunden singender und lachender Spieler.

Die Laune ist so gut, dass manche fürchten, die Balkan-Fraktion um Sasa Markovic wolle nun lieber ihren Vertrag absitzen, als sich einen neuen Klub zu suchen. Rangnick aber zieht sein Konzept durch, auch wenn ihn manche für einen Fanatiker halten. Selbst als es darum ging, den Starkoch Roy Kieferle fürs Trainingslager zu engagieren, setzte sich Rangnick gegen die Klubführung durch. Die wollte die Tagesgage des Vollwert-Gurus von 1000 Mark sparen. Kieferle kochte. Nicht zehn Tage, aber immerhin fünf. So fügte sich ein Baustein zum anderen. Und alles rechtzeitig vor der großen Party heute. Am Klubhaus an der Mercedesstraße wird dann auch Karlheinz Förster mit einem Lächeln herumlaufen. Wochenlang hat der Teammanager erzählt: "Leute, das wird schon". Geglaubt hat ihm keiner. Bis letzte Woche.

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