Sport : Trainer trainieren für Olympia

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Von Robert Ide

Berlin. Am Donnerstagmorgen hat sich Rudolf Scharping geärgert. Der Bundesverteigungsminister hatte im Radio gehört, dass Bayer Leverkusen in der Champions League die dritte Titelchance des Jahres verspielt hatte. „Als ob ein Sieg der einzige Maßstab ist“, erregte sich Scharping, „dabei hat Leverkusen eine tolle Saison gespielt.“ Nanu, wunderten sich die Zuhörer eines SPD-Sportkongresses am Donnerstag in Berlin: Macht der Rudolf Scharping jetzt auf Sportexperte? Ja, er macht. Und das hat zwei Gründe. Erstens: Es ist Wahlkampf, und die SPD möchte sich profilieren. Zweitens: Es ist Wahlkampf und Minister Scharping muss sich profilieren.

Bei der Sportförderung kann Scharpings Haus tatsächlich Erfolge vorweisen. 70 Prozent der deutschen Medaillen bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City errangen Angehörige der Bundeswehr. Die Deutschen gewannen schließlich die Medaillenwertung. Ein Jubelkongress wurde die SPD- Tagung dennoch nicht. Zu viele Probleme gibt es bei der Nachwuchsbetreuung.

Zum Beispiel die Trainer. Kaum die Hälfte der Landestrainer besitzt eine A-Lizenz oder ein Trainerdiplom. Der Direktor des Deutschen Sportbundes, Armin Baumert, forderte deshalb eine Qualitätsoffensive im Trainerbereich. Die Trainerakademie in Köln müsse schnellstens reformiert werden. „Wir können nicht weitermachen wie im Westen in den 70er Jahren“, meinte Baumert.

Auch die Bundesregierung hat das Problem erkannt. „Wir werden die Trainerakademie einer Evaluierung unterziehen“, sagte die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Brigitte Zypries, dem Tagesspiegel. Allerdings sei die Auswahl der richtigen Trainer vorrangig Aufgabe des Sports. Zypries: „Nicht jeder, der ein guter Leistungssportler war, ist auch ein guter Trainer.“

Vertreter des Sports beklagten das mangelnde Engagement der Wirtschaft für den Nachwuchs. „Es ist nötig, die Finanzierung der Eliteschulen des Sports zu sichern. Dabei ist die Wirtschaft gefordert“, sagte Baumert. Die Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Sylvia Schenk, beklagte das mangelnde Angebot an Ausbildungsplätzen für talentierte Sportler: „Die Sicherung der beruflichen Perspektiven darf nicht allein Bundeswehr und Bundesgrenzschutz überlassen werden.“

Gute Rahmenbedingungen für Talente zu schaffen, das funktioniert nur langfristig. Darin waren sich Politik und Sport einig. Eine effektive Talentsuche, die qualifizierte Ausbildung der Trainer, das Heranführen erfolgreicher Junioren an den Hochleistungssport sowie die Koordination von Bildung, Beruf und Sport – all das kostet Zeit und Geld. Selbst Rudolf Scharping kam deshalb zu dem Schluss: „Wir müssen aufpassen, dass Show nicht wichtiger wird als die Substanz.“

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