Trainer von Bayer Leverkusen : Roger Schmidt: "Ich weiß, dass ich polarisiere"

Bayer Leverkusens Trainer Roger Schmidt spricht vor dem Europa-League-Spiel bei CF Villarreal über seine Sperre, Kritik an ihm und Taktik.

Andreas Schirmer, dpa
Roger Schmidt, 48, ist seit 2014 Trainer in Leverkusen. Am Donnerstag trifft der Klub im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League auf Villarreal.
Roger Schmidt, 48, ist seit 2014 Trainer in Leverkusen. Am Donnerstag trifft der Klub im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League...Foto: dpa/Gambarini

Herr Schmidt, vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League beim FC Villarreal stehen Sie in Leverkusen in der Kritik. Können Sie das nachvollziehen?

Ich weiß, dass ich polarisiere – sowieso immer, aber in sportlich schwierigen Situation noch etwas mehr. Mir geht es letztendlich nur um eins: meine Arbeit bestmöglich zu machen.

Wäre es nicht klüger gewesen, am Samstag das 3:3 Ihres Teams beim FC Augsburg im Stadion zu verfolgen, statt schon zur Beobachtung von Villarreal zu fliegen?

Ich war gesperrt und habe die Mannschaft soweit es mir möglich war auf das Spiel vorbereitet. Aus einer Loge heraus konnte und durfte ich ihr in keiner Weise mehr helfen. Deshalb war für mich klar: Wenn ich etwas machen kann, um die Chance auf ein Weiterkommen auch nur marginal zu erhöhen, tue ich das. Für mich war das das Gegenteil von im Stich lassen.

Wie haben Sie es erlebt, drei Spiele lang nicht an der Seitenlinie coachen zu dürfen?

Ich empfand die Situation deutlich schlimmer, als ich sie mir vorgestellt habe. Deshalb wird es mir nicht noch mal passieren.

Die Sperre hatte Folgen. Leverkusen gewann in der Zeit kein Spiel und rutsche auf Bundesligaplatz acht ab. Ist es eine Krise?

Es ist eine sehr schwierige Phase. Das Schlimmste an dem Dortmund-Spiel war nicht die Sperre, sondern die Ausfälle wichtiger Leistungsträger Da kann man auch mal Spiele verlieren. Aber sicher war es, wie gesagt, kein Vorteil für die Mannschaft, dass ich nicht auf der Bank war.

Ihr Image ist schwierig. Sie gelten als unnahbar, stur, arrogant. Zu Unrecht?

Ich wäre sicher nicht der Erste, dessen in den Medien erzeugtes Bild von der Realität abweicht. Ich leide sicher nicht unter Verfolgungswahn, wenn ich davon ausgehe, dass manche Kritik überzogen und auch persönlich motiviert war.

Auch Ihr aggressiver Offensivstil findet nicht nur Fans. Er wird als zu leicht durchschaubar und zu wenig variabel kritisiert.

Meine Wunschvorstellung ist, mit Bayer eine Spielidee zu haben, die Wiedererkennungswert hat und die wir weiter optimieren. Andere Trainer wollen total flexibel sein, Dreier-, Vierer- oder Fünferkette spielen lassen, sich immer neu erfinden. Jeder muss da seinen Weg gehen.

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Zu lesen war auch, dass es Kritik aus Spielerkreisen an Ihnen gebe, und Sie mit Teilen des Kaders nichts anzufangen wissen. Wie ist das Verhältnis zur Mannschaft?

Ich glaube, das Verhältnis ist gut. Und wir beweisen das ja auch auf dem Platz, unabhängig davon, dass wir in der Bundesliga etwas hinterher hinken.

Es wurde über Ihre Ablösung spekuliert, geheime Verhandlungen von Rudi Völler mit Lucien Favre kolportiert. Belastet Sie das?

Ich kenne die Mechanismen des Fußballs. Es beunruhigt mich nicht, weil ich als Person meine Arbeit besser nicht machen könnte, als ich sie mache. Ich investiere so viel und mache es so gut, wie ich es nur eben kann. Was das Trainieren und Führen der Mannschaft angeht, gebe ich jeden Tag alles. Wenn der Verein irgendwann zu dem Entschluss kommt, dass das nicht mehr reicht und Rudi Völler kommt in mein Büro und sagt: Roger, das war’s, dann habe ich das zu akzeptieren. Aber ich werde dann wissen, dass ich das Beste mir mögliche investiert habe.

Und wie ist das Verhältnis zu Bayer-Sportdirektor Völler, der Ihnen am Mittwoch erneut eine Jobgarantie aussprach?

Hervorragend!

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