Sport : Trainer wechsle dich

Der HSV trennt sich von Thomas Doll und verhandelt mit Felix Magath

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Es ging auf Mitternacht zu. Da kam Thomas Doll aus einem Trakt der AOL- Arena, zu dem man nur Zugang erhält nach Eingabe eines geheimen Zahlencodes. Den wartenden Journalisten begegnete der einst so eloquente Trainer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV zugeknöpft. „Ich sage jetzt nichts“, rief Doll nur, stieg in seinen schwarzen Porsche und brauste davon. „Wir sehen uns morgen“, hatte er den Umstehenden noch zugerufen, ehe er die Autotür zuschlug. Das war Mittwochnacht.

Donnerstag früh kehrte Doll tatsächlich an seinen Arbeitsplatz zurück. Aber nur, um sich von der Mannschaft zu verabschieden. Sie möge „nun bald die Kurve kriegen“, hinterließ er als Wunsch. Der HSV hat sich von seinem Trainer nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Energie Cottbus und dem damit verbundenen Absturz auf den letzten Tabellenplatz getrennt. Für Doll schloss sich damit der Kreis. Am 18. Oktober 2004 hat er den HSV auf dem letzten Tabellenplatz übernommen, am 1. Februar 2007 muss er die Mannschaft nun als Tabellenletzter an seinen Nachfolger abgeben. Wer dieser Nachfolger ist? „Wir werden bis zum Spiel bei Hertha BSC am Sonnabend einen neuen Trainer präsentieren“, verspricht Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende. Bereits für heute hat der HSV eine Pressekonferenz anberaumt.

Nach den Vorstellungen des HSV soll der gerade bei Bayern München beurlaubte Felix Magath Dolls Erbe in Hamburg antreten. Kein abwegiger Gedanke. Magath hat seine Sympathien für den HSV nie verhehlt, er führte in einer sehr erfolgreichen Ära des Klubs in den 80er Jahren selbst Regie auf dem Feld und war schon von 1995 bis 1997 Trainer des HSV. „Das Angebot kommt für mich sehr früh“, sagte Magath dem „Hamburger Abendblatt“, „aber der HSV ist für mich eine Herzensangelegenheit.“ Magath bestätigte erste Verhandlungen. Sollte er absagen, wäre der frühere Hertha-Trainer Huub Stevens wohl eine Alternative.

Unter Thomas Doll hatte der HSV mit der viertteuersten Mannschaft der Bundesliga in dieser Saison in 19 Punktspielen nur einmal gewonnen: 2:1 bei Bayer Leverkusen. Allerdings gab es für den Verein unter diesem Trainer zwischenzeitlich auch mal ein kräftiges Hoch. Die Mannschaft feierte beachtliche Erfolge im Uefa-Cup und erhielt nach einer starken Bundesliga-Saison im vorigen Jahr den Zutritt zur Champions League.

Unmittelbar nach dem Spiel gegen Cottbus war in den Geschäftsräumen der AOL-Arena rege Betriebsamkeit ausgebrochen. Der Aufsichtsrat tagte, unruhig liefen Bernd Hoffmann und Vorstandskollegin Katja Kraus durch die Gänge. Auf der nach Bundesligaspielen obligatorischen Pressekonferenz schätzte Doll derweil seine Lage realistisch ein: „Wir werden uns zusammensetzen, alles analysieren, und dann schauen wir mal.“ Mit wem er da zusammensitze? Mit der Mannschaft? Dolls schon Unheil verkündender Hinweis: „Mit dem Vorstand.“

Doll stand bereits kurz vor Weihnachten vor der Entlassung. Erst nach zweieinhalbtägigen Beratungen und dank Fürsprache von Sportchef Dietmar Beiersdorfer schenkte ihm der Vorstand noch einmal das Vertrauen. Bernd Hoffmann hatte dann vor der Rückrunde klar gemacht, dass ihm vier Punkte aus den ersten drei Spielen zu wenig seien. Zwei Punkte hat der HSV in den ersten beiden Spielen geholt, am Samstag ist Hertha BSC der Gegner. Hoffmanns Vorgabe wäre durchaus noch erfüllbar gewesen.

Mit Doll mussten auch Kotrainer Ralf Zumdick und Torwarttrainer Ronny Teuber gehen. Michael Schröder, erst in der Winterpause ins Trainerteam geholt, wird wieder als Scout arbeiten. Das Auslaufen am Tag nach dem Spiel leitete gestern Athletiktrainer Markus Günther.

Überraschend: Dietmar Beiersdorfer, der sich so vehement für Doll stark gemacht hatte, bleibt Sportchef. Vorerst.

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