Trainerdiskussion bei den Eisbären : Spitzenreiter der Spekulationen

Die Eisbären sind erstmals auf Platz eins der Deutschen Eishockey-Liga – doch bestimmendes Thema bleibt die Nachfolge von Trainer Don Jackson.

von und Ron Ulrich
Ärger über Bande. Eisbären-Coach Don Jackson ist nicht erfreut über die Bewerbung seines Kollegen Larry Mitchell.
Ärger über Bande. Eisbären-Coach Don Jackson ist nicht erfreut über die Bewerbung seines Kollegen Larry Mitchell.Foto: ddp

Berlin - Es ist ein skurriles Szenario, in dem sich die Eisbären wiederfinden. Zum ersten Mal seit zehn Monaten führt Berlin wieder die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an und keinen scheint es zu interessieren. Zu brisant sind die Themen abseits des Ligaalltags, zu sonderbar die Diskussion um den Trainerposten. Inzwischen hat ganz Eishockey-Deutschland Gefallen daran gefunden, über den künftigen Berliner Coach zu spekulieren. Dabei scheinen einige zu vergessen, dass der Klub eigentlich aktuell einen Trainer hat. Der Mann heißt Don Jackson und Don Jackson hat die Eisbären in seiner bisher gut drei Jahre andauernden Amtszeit immerhin zu zwei Meisterschaften geführt.

Eine derartige Diskussion wäre bei jedem anderen Eishockeyverein als dem Zuschauermagneten aus Berlin wohl undenkbar. „Wir haben uns daran gewöhnt, dass hier viel spekuliert wird“, meint Manager Peter John Lee auf Nachfrage. Doch ein öffentlicher Austausch über Verträge von Spielern und Betreuern ist im Portfolio der Berliner nicht vorgesehen.

Das Schweigen gebrochen hat mit Larry Mitchell dann jemand, der noch in Augsburg angestellt ist, aber ganz offensichtlich größtes Interesse an einem neuen Job hat. Am vergangenen Freitag bestätigte er auf der Pressekonferenz in Berlin die Gespräche mit Lee und bekräftigte seine Avancen für den Trainerjob in Berlin.

Der Tragweite seiner Äußerungen war sich Mitchell wohl nicht bewusst. Am vergangenen Sonntag gab er zu, die öffentlichen Diskussionen seien für seine Mannschaft in Augsburg sehr belastend. Und bei den Eisbären dürften sich Mitchells Aussichten auf den Trainerjob durch die Verletzung des Stillhalte-Kodex nicht unbedingt verbessert haben.

Jackson würde gern verlängern

Eisbären-Manager Lee wies am Montag indirekt auf diesen Umstand hin: „Wir halten uns an unsere Linie und gehen erst an die Öffentlichkeit, wenn etwas klar ist.“ Zudem stellte er noch einmal klar: „Die Gespräche mit Mitchell waren keine Verhandlungen.“

Irritiert über das Vorpreschen Mitchells zeigte sich auch Don Jackson – der Mann, den Mitchell gerne beerben würde. „Ich würde solche Sachen niemals so diskutieren, wie Mitchell es getan hat“, sagte Jackson dem Tagesspiegel. Für den US-Amerikaner ist es zwar „völlig normal“, dass in dieser Zeit des Jahres Gespräche über die Zukunft stattfinden. Doch was er wirklich über den Umgang mit seiner Person denkt, will der Coach lieber nicht öffentlich sagen.

Dem Vernehmen nach hatte Jackson schon vor einer ganzen Weile Interesse daran bekundet, seinen am Ende der Saison auslaufenden Vertrag zu verlängern. Nur das Management war sich nicht sicher – und hat trotz der guten Bilanz des Coaches gezögert. Um das zu verstehen, muss man an den Anfang der aktuellen Spielzeit zurückblicken. Atmosphärische Störungen machten sich da in der sonst so behaglichen und erfolgsverwöhnten Eisbären-Welt breit. Ein paar Spieler hatten Jackson kritisiert, und Jackson umgekehrt die Spieler. Erstmals in seiner Ära verloren die Berliner drei Spiele in Folge, erstmals musste eine Krisensitzung in der Kabine abgehalten werden.

Auch wenn Jackson seine Mannschaft inzwischen „auf einem guten Weg“ sieht, ist das nicht vergessen, erst recht nicht beim Management. Das hat Jackson – auch wenn es den Anschein hat – noch nicht aussortiert, aber sich zumindest ein wenig umgesehen. „Bei uns gehen sehr viele Bewerbungen ein“, berichtet Lee.

Mit dem Düsseldorfer Trainer Jeff Tomlinson wurde ebenso geredet. Tomlinson steht bei den Fans hoch im Kurs. „Wir würden uns freuen, wenn Jeff es wird. Er kann die Jungs richtig heißmachen“, sagt Alexander Verchow vom Fanbeirat. Die Sympathie für Tomlinson hat Tradition, schließlich war der Deutsch-Kanadier als Spieler, Jugend- und Assistenzcoach rund zehn Jahre für die Eisbären aktiv.

Ganz unbehelligt von der Diskussion zeigt sich bislang die Mannschaft. „Das alles lässt uns kalt“, meint Sven Felski. „Wir konzentrieren uns darauf, auf dem Eis zu funktionieren.“ Bisher trotzen die Eisbären der Unruhe im Umfeld erfolgreich.

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