Sport : Trainerdroge Bundesliga: Zachhuber - der etwas andere Trainer

Michael Rosentritt

Das Traineramt ist im bezahlten Fußball kein Job mit Pensionsanspruch. Und vielleicht ist es daher ordentlich dotiert. Kombiniert die Mannschaft recht hübsch, stimmt die Platzierung in der Tabelle, kommen viele fröhliche Leute ins Stadion und mit ihnen der eine oder andere Sponsor, so bleibt der Trainer Trainer. Und umgekehrt. Beide Fälle haben sich herumgesprochen wie Daums Drogenkonsum oder Herbergers Erkenntnis "Der Ball ist rund". Nur verstehen es die wenigsten. Welcher ehemalige Bundesligatrainer hat schon den Mut und die Lust, ins hintere Glied zu treten. Ausnahmen gibt es wenige. Hannes Bongartz beispielsweise, der Wattenscheid selbst in der Regionalliga zur Seite steht, oder Norbert Meier. Der stieg bei Borussia Mönchengladbach vom Trainer der Amateure zum Trainer der Profis auf und übernahm nach seiner Entlassung wieder die Oberligamannschaft des Vereins. Und da wäre Andreas Zachhuber. Anfang der Woche einigten sich der 38-Jährige und der FC Hansa Rostock auf eine neue Zusammenarbeit. Zachhuber, der am 7. September des vorigen Jahres als Cheftrainer beurlaubt wurde, wird ab sofort Hansas A-Jugend trainieren.

"Die meisten tun ja gerade so, als sei es was ganz Schlimmes, eine Etage tiefer einzusteigen", erzählt Zachhuber. Wie kann man sich das nur antun - diesen Satz hörte er nicht selten. "Ich verstehe diese Menschen nicht. Einerseits heißt es immer, dass wir in Deutschland Talente brauchen. Andererseits habe ich schon damals als Bundesligatrainer gesagt, dass ich das nicht zehn Jahre lang machen werde."

Bekannt geworden ist Zachhuber aber am Grill. Vor dem letzten Bundesligaspiel der vergangenen Saison am 20. Mai 2000 beim FC Schalke 04 hatte er sich was Besonderes ausgedacht. Die Situation verlangte es. Der abstiegsgefährdete FC Hansa musste unbedingt dieses eine Spiel in Gelsenkirchen gewinnen, um nicht in die Zweite Liga abzusteigen. Zachhuber, dem schon in der Vorsaison das Kunststück gelungen war, mit einem Auswärtssieg tief im Westen, damals beim VfL Bochum, seinen Verein vor dem Abstieg gerettet zu haben, ging in sich. Er entschied sich als Vorbereitungprogramm auf den entscheidenen Kick für einen dreitägigen Ausflug ins benachbarte Kühlungsborn. Dort ließ er einen Grill aufstellen und schickte seine Spieler anschließend auf den Golfplatz. Kollektives Wohlfühlen, was für die positive Denke tun, wie sich Zachhuber damals ausdrückte. Der kleine Ausflug wurde zum Erfolg. Hansa gewann beim FC Schalke 2:0 und blieb erstklassig. Nur eben Andreas Zachhuber nicht. Er musste gehen. Skeptiker meinten damals, er sei die "kleine Lösung" geblieben, als die er noch im März 1999 begrüßt worden war. Hansa hatte damals das Arbeitsverhältnis mit dem glücklosen Ewald Lienen gelöst und im gleichen Atemzug dessen Assistenten Zachhuber zum Cheftrainer ernannt. Schon unter Lienens Vorgänger Frank Pagelsdorf arbeitete Zachhuber als Kotrainer. Der Wismarer, seit 1975 - sozusagen in zweiter Ehe - beim FC Hansa, brachte es immerhin in die Junioren-Auswahl der früheren DDR. Als er das Bundesligateam übernahm, konnte er keine DFB-Trainerlizenz vorweisen, dafür aber langjährige Erfahrung als Nachwuchstrainer beim FC Hansa sowie als Landestrainer für Mecklenburg-Vorpommern. Wenige Monate vor seiner Beurlaubung absolvierte Zachhuber einen Lehrgang zum Fußballtrainer in Köln erfolgreich. Zum Zirkel der Auszubildenden zählten neben ihm alte Bekannte wie Hölzenbein, Brehme, Kaltz, Reuter, Klinsmann, Sammer und Kohler.

Der beurlaubte Zachhuber ließ sich nicht lange bitten, sondern machte - Urlaub. Ausführlich sogar, gut fünf Monate lang. "Wissen Sie, mich hat es nie auf diesen Stuhl gedrängt. Es war eine Notsituation. Ich habe diesen Job eineinhalb Jahre getan und Hansa zweimal vor dem Abstieg und drohenden Millionenverlusten bewahrt. Das war alles sehr stressig. Und jetzt habe ich mich mal meiner Familie gewidmet." Vergangenen Montag bog Zachhuber wieder auf das Gelände des FC Hansa ein. Sein Vertrag im Nachwuchs läuft bis zum 30. Juni 2003. Ob Friedhelm Funkel, der jetzige Bundesligatrainer, dann noch da ist? Wer weiß das schon? Jedenfalls bekommt Funkel heute rund das Doppelte vom dem, was Zachhuber damals verdiente.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben