Sport : Trainerfrage: Vogts verplappert sich

Christoph Daum sollte offenbar schon ein halbes Jahr früher als vorgesehen Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden. Dies hat der frühere Bundestrainer Berti Vogts im Interview mit dem Fachblatt "Kicker" erzählt: "Es gab zuletzt einen Plan, wonach Daum am 1. Januar zum DFB wechseln, mit Rudi Völler gemeinsam die Nationalelf im Februar beim Freundschaftsspiel in Paris gegen Frankreich betreuen und dann am 24. März beim WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien in Leverkusen erstmals die Alleinverantwortung übernehmen sollte. Dementsprechend sollte ich am 1. Januar bei Bayer einsteigen."

Der DFB dementierte umgehend. Mediendirektor Niersbach sagte, möglicherweise hätten die Leverkusener entsprechende Pläne gehegt. Der DFB sei allerdings an diesen Überlegungen nicht beteiligt gewesen. Christoph Daum, der am 21. Oktober wegen der bekannt gewordenen Drogen-Affäre bei Bayer 04 entlassen wurde, sollte ursprünglich - wie am 2. Juli in Köln- Königsdorf vereinbart - nach dem 31. Mai 2001 von DFB-Teamchef Völler die Verantwortung für die Nationalelf übernehmen. Diese Vereinbarung löste der DFB nach der Entlassung von Daum in Leverkusen auf. In der vergangenen Woche wurde Völler beauftragt, die Nationalmannschaft bis nach der WM 2002 in Japan und Korea zu führen.

Vogts unterstrich, er sei seit dem 1. Juli von Leverkusen informiert gewesen zu, "dass ich mich bereithalten möchte". Als zweite Wahl sieht er sich nicht, obwohl der Saarbrücker Klaus Toppmöller offensichtlich lange Zeit Leverkusens Wunschkandidat war. Vogts: "Toppmöller ist ein Top-Trainer. Wenn man vor ihm den Vorzug bekommt, ist das doch okay.""

Angst vor dem Schatten von Publikumsliebling und Vorgänger Rudi Völler hat Vogts nicht: "Ich sehe keinen Schatten. Rudi hat mir in seiner Rolle als Sportdirektor seine volle Unterstützung zugesagt und wird uns allen mit seinem überragenden Sympathiewerten weiterhelfen."

Gemeinsam mit Vogts wird Pierre Littbarski nach mehr als sieben Jahren in Japan in die Bundesliga zurückkerhen. Der 73-malige Nationalspieler, der ab Januar als Assistent von Vogts arbeitet, träumt vom Beginn einer Trainerkarriere in seiner Heimat. "An der Seite von Berti habe ich in Deutschland einen guten Start. Daraus kann was werden", sagte der Weltmeister von 1990 dem Kölner "Express".

Der 40 Jahre alte Littbarski, der Anfang des Jahres nach dem DFB-Sonderlehrgang für verdiente Nationalspieler die Trainer-Lizenz erhielt, soll sich vor allem um die technische Ausbildung der Profis kümmern. Dabei will er seine eigenen Vorstellungen umsetzen und sich nicht nur als Befehlsempfänger von Vogts profilieren: "Toni Schumacher, Wolfgang Rolff und ich sind keine Ja-Sager." Ein Kompetenzgerangel zwischen den früheren Profis und Cheftrainer Vogts erwartet er nicht: "Wir arbeiten ihm zu und sollten auf einen Nenner kommen."

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