Sport : Trainerfragen: Es bleibt beim doppelten Rudi

Rudi Völler wollte nicht mehr den doppelten Teamchef geben. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Am Sonnabend, beim Gastspiel in Freiburg, sitzt er zum letzten Mal als verantwortlicher Trainer auf der Bank von Bayer Leverkusen. Danach wird ihn der frühere Bundestrainer Berti Vogts ablösen.

So weit, so gut. Seine Dopelbelastung ist Völler dennoch nicht los. Parallel zu seinem Job bei der Nationalmannschaft, die er bis zur Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea betreut, ist der Weltmeister von 1990 weiter Sportdirektor in Leverkusen. Darauf bestand der Verein, der den bis 2003 laufenden Vertrag mit Völler nicht lösen wollte. Dies gaben Reiner Calmund für Bayer Leverkusen und Gerhard Mayer-Vorfelder für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in der BayArena bekannt.

"Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Rudi Völler. Er kann mir helfen bei der Mannschaft, und ich kann ihm Ratschläge in Sachen DFB geben", sagte Vogts, der Völler als Spieler ab 1980 in der U 21- und später auch in der A-Nationalmannschaft betreute. Vogts sagte, er wolle in Leverkusen "im Sinne von Christoph Daum und Rudi Völler weiterarbeiten". Daum war vor zweieinhalb Wochen wegen eines positiven Drogentest bei Bayer 04 entlassen und für insgesamt sieben Spiele durch Interimscoach Völler ersetzt worden. "Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu diesem Klub. Er stand auch in schweren Zeiten immer an meiner Seite", sagte Vogts, der schon mehrmals als Bayer-Trainer im Gespräch gewesen war.

Bei früheren Entscheidungen hatte sich Bayer 04 jedoch stets für die Verpflichtung anderer Fußball-Lehrer entschieden. Diesmal erfolgte der Zuschlag für Vogts eher überraschend, denn in Spielerkreisen waren Bedenken gegen den fachlich unstrittig hochkompetenten Coach geäußert worden. Reiner Calmund betonte deswegen: "Bei uns entscheiden keine Spieler, ob einer Trainer wird oder nicht. Wir haben den Spielerrat gefragt. Jens Nowotny und Ulf Kirsten konnten sich sehr gut mit dem Trainer Berti Vogts anfreunden."

Rudi Völler, der es am Dienstag noch abgelehnt hatte, in einer Doppelfunktion als DFB-Teamchef und Sportdirektor seines Klubs tätig zu sein, sagte: "Die Lösung ist absolut in Ordnung." Bei der Verhandlung des geschäftsführenden DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder mit dem Bayer-Vorstandsvorsitzenden Manfred Schneider am Mittwoch war ein Verfahren festgelegt worden, das für Völler akzeptabel war. Nach dem Test-Länderspiel gegen Dänemark am nächsten Mittwoch in Kopenhagen wird sich der 40-Jährige erst einmal bis zum Februar kommenden Jahres auf seine Aufgaben bei Bayer Leverkusen konzentrieren. Vor dem Test-Länderspiel in Frankreich im Februar bis zum Ende der WM-Qualifikation im Herbst 2001 wird dann der Schwerpunkt seiner Tätigkeit bei der Nationalmannschaft liegen.

Durch diesen Zeitplan sieht Völler die von ihm selbst befürchtete Interessen-Kollision entschärft. "Ein ähnlicher Fall war unser aller Vorbild Franz Beckenbauer", sagte der frühere Weltklasse-Stürmer. Beckenbauer hätte in seiner Amtszeit als DFB-Teamchef von 1984 bis 1990 "auch zum FC Bayern gehört". Er identifiziere sich mit Bayer Leverkusen, wo er in den vergangenen Tagen als Trainer "einiges dazu gelernt" habe.

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