Sport : Trainerjuwel aus der Oberliga

Der 1.FC Union holt Frank Lieberam

Karsten Doneck

Berlin - In guten wie in schlechten Zeiten die Bodenhaftung zu behalten, gelang dem 1. FC Union selten. Als der Verein gestern den 42-jährigen Frank Lieberam als neuen Trainer vorstellte, verstieg sich Präsident Dirk Zingler schriftlich in einer Presseerklärung zu der kühnen Ansicht, dass dieser Mann „in der Branche als Trainerjuwel“ gelte. Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner? Versachlicht würde sich das Ganze so anhören: Union, Letzter der Regionalliga, hat mit Frank Lieberam einen sympathischen, beredten und eher zurückhaltenden Übungsleiter angestellt, der zuletzt in seiner Geburtsstadt Halberstadt den VfB Germania trainiert hat. Fünfeinhalb Jahre lang, was für eine in seinem Job erstaunliche Kontinuität spricht. Die Erfolge? Zweimal ist Lieberam mit den Halberstädtern aufgestiegen – bis in die Oberliga.

Die Oberliga – dort will Union auf gar keinen Fall am Saisonende landen. Lieberam soll das verhindern. Er weiß, wie das gehen könnte. „Wenn man genau hinschaut bei Union, dann war die Mannschaft in den bisherigen Saisonspielen nie Kanonenfutter, sie ist nie 0:5 oder 0:6 untergegangen. Ganze neun Mal hat sie nur mit einem Tor Unterschied verloren“, stellt der Trainer fest und zieht die Schlussfolgerung: „Vor uns liegen sieben Wochen Vorbereitung. Da ist es zu schaffen, dass die Mannschaft solche Spiele dann auch mal 1:0 gewinnt.“

Frank Lieberam hat sich vor allem als aktiver Fußballer einen Namen gemacht. 158 Spiele in der DDR-Oberliga hat er bestritten, zweimal wurde er DDR-Meister mit Dynamo Dresden, fünf Bundesligaspiele für Dresden kamen später hinzu, anschließend noch 111 Zweitligaeinsätze für den VfL Wolfsburg. Kurzzeitig kickte er auch mal in Südkorea.

Am 3. Januar nächsten Jahres nimmt er seine Arbeit an der Alten Försterei auf, mit „zwei, drei neuen Spielern als Verstärkung“, wie ihm Präsident Zingler verspricht. Lieberams Vertrag endet vorerst am 30. Juni 2006. „Wir wollen endlich diesen ewigen Kreislauf mit den Trainern durchbrechen: Übernehmen – retten – übernehmen – retten, damit muss auch mal Schluss sein“, sagt Zingler. Was Lieberam zu denken geben sollte: Er ist der achte Union-Trainer in nur zweieinviertel Jahren. Georgi Wassilew, Ivan Tischanski, Mirko Votava, Aleksandar Ristic, Frank Wormuth, Werner Voigt und Lothar Hamann sind seine Vorgänger.

Erfahrungen hat Frank Lieberam mit dem 1. FC Union auch schon gemacht. Und nicht die schlechtesten – aus seiner Sicht jedenfalls. Mit dem 1. FC Magdeburg war er seinerzeit als Spieler gerade aufgestiegen, da traf er im ersten Heimspiel auf die Köpenicker. Magdeburg gewann 2:0, Lieberam schoss das 1:0. Aber das soll der Liebe zu seinem neuen Arbeitgeber keinen Abbruch tun. Augenzwinkernd sagt Lieberam: „Hätte ich damals schon gewusst, dass ich mal bei Union als Trainer anfange, dann hätte ich natürlich vorbeigeschossen.“

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