Trainerstreit : Ein bisschen Frieden beim DFB

Die Spitzen des deutschen Fußballs hatten sich verkantet, nun raufen sich der DFB und Bundestrainer Löw bis zur WM zusammen. Aber was kommt danach?

von
322177_0_e8b53048.jpg
Ab morgen ist nicht alles wie gestern. Löw (v.l.), Zwanziger (v.r.), Bierhoff (h.l.) und Niersbach nach ihrer Aussprache. Foto:...ddp

Berlin - Als es losgehen sollte, fiel erst mal das Licht aus. Gelacht hat darüber keiner der am Konferenztisch versammelten und vorrangig in Schwarz gekleideten Herren. Gelacht hat sowieso keiner am Dienstag in der Zentrale des Fußballs in Frankfurt am Main, aber immerhin auch nicht geweint oder gewütet. Es wird wieder geredet zwischen den hohen Hütern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf der einen Seite und den Abgesandten der Nationalmannschaft auf der anderen. Diese für viele Fans sicher erleichternde Erkenntnis wurde schließlich, nachdem einer das gelöschte Konferenzlicht wieder angeschaltet hatte, ins ganze Land hinaus live übertragen: Die Spitzen des runden Balles, die sich über Verträge, Macht und Eitelkeiten ineinander verkantet waren, haben sich nach ihrem öffentlichen Zerwürfnis nun öffentlich zusammengerauft – zumindest bis zur WM im Sommer in Südafrika. Und was kommt dann, Herr DFB-Präsident? „Dann werden wir weitersehen“, antwortete Theo Zwanziger.

Der verkündete und dann geplatzte neue Arbeitsvertrag für Löw und sein Team über die WM hinaus bleibt mit dem kleinen Frieden von Frankfurt am Main weiterhin ungewiss.

Fragen gab es viele zu klären, und immerhin gemeinsam sind sie erörtert worden bei internen Krisenklärungsgesprächen am Montag und Dienstag. Was haben wir falsch gemacht? Was sind wir eigentlich für Hornochsen? Diese Fragen quälten nach eigener Aussage nicht nur Zwanziger und seinen Generalsekretär Wolfgang Niersbach, sondern auch Bundestrainer Joachim Löw und seinen Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. Und so gaben alle Beteiligten des Verhandlungs- und Kommunikationsdesasters hernach zu: Ja, wir haben Fehler gemacht. Bierhoff, wegen seiner überzogenen Forderungen stark in der Kritik, bereute sein Auftreten. Niersbach bereute ein Ultimatum des DFB an Löw zur Vertragsunterschrift, und Zwanziger bereute seine mangelnde Kommunikation vor dem großen Knall. Nur Löw hatte nichts zu bedauern, deshalb tat er es auch nicht. Stattdessen kündigte er an: „Es wird keine Zugabe geben.“ Damit meinte er aber nicht seine Zukunft über die WM hinaus, sondern mögliche neue Streitigkeiten. Die Frage aller Fragen – Wie geht es nach der WM weiter? – ließ auch er aus.

Das zerstörte Vertrauen nach dem vor aller Augen und Ohren ausgetragenen Zoff wieder aufzubauen, wird eine langwierige Aufgabe, der sich nun vorrangig Zwanziger widmen dürfte. Er hat erkannt: „Erfolg ist nur mit diesem Trainer machbar. Alle anderen sind auswechselbar.“ Was alle anderen dazu sagen, war bei der Pressekonferenz nicht mehr zu erfahren, aber sie werden sich ihren Teil schon denken. Jeder für sich.

Die Verletzungen im deutschen Fußball sind nun freigelegt. Die Heilung wird allerdings von der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft überlagert, bei der das deutsche Team um den Titel spielen soll, mindestens – worin sich immerhin alle einig sind. Aber für eine wirkliche Ausheilung des Streits bleibt kaum Gelegenheit, denn gleich nach der WM steht die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 an – und genau dazwischen läuft Löws Vertrag aus. Harmonische Verhandlungen darüber scheinen derzeit schwer vorstellbar. Und so wirkten die dargebrachten Geschichten über die in Fast-Freundschaft verbundenen Verantwortungsträger etwas hergeholt. „Ich glaube, ich habe Dir das Skatspielen beigebracht, Oliver“, sagte Niersbach zu Bierhoff. Ein erleichternder Lacher oder ein Schmunzeln blieben auch hier aus.

Noch ist die Lage nicht unernst. Und so weiß auch Zwanziger: „Jetzt ist ab morgen nicht alles wie gestern.“ Aber immerhin scheint es wieder ein Heute zu geben im Deutschen Fußball-Bund. Und einen, der den Lichtschalter findet.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben