Trainerwechsel bei Hannover 96 : Martin Kinds riskante Rochaden

Die Entlassung von Daniel Stendel bringt viel Unruhe beim Tabellenvierten der Zweiten Liga. Mit seiner Entscheidung könnte Hannovers Präsident das Ziel Aufstieg in Gefahr bringen. Ein Kommentar.

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Martin Kind mischt sich immer wieder in die sportlichen Belange ein.
Martin Kind mischt sich immer wieder in die sportlichen Belange ein.Foto: Peter Steffen/dpa

Eigentlich gibt es Typen wie Martin Kind im modernen deutschen Fußballgeschäft nicht mehr. Der 72 Jahre alte Unternehmer ist seit zwei Jahrzehnten mit kurzer Unterbrechung Präsident von Hannover 96, er hat viel Geld in den Klub gesteckt. Und er schreckt nicht davor zurück, sich direkt in sportliche Belange einzumischen. Kind ist ungeduldig, er will mit Hannover unbedingt zurück in die Bundesliga – mit seinen jüngsten Personalentscheidungen könnte er aber genau dieses Vorhaben in Gefahr bringen.

Nachdem Hannover vor gut zwei Wochen Sportdirektor Martin Bader beurlaubt hatte, muss nun auch Trainer Daniel Stendel gehen. Dabei steht die Mannschaft in der Tabelle auf Platz vier, der Aufstieg ist weiter in Reichweite. Auch deshalb wirken die von Kind orchestrierten Rochaden aktionistisch – und riskant. Die Wechsel bringen sehr viel Unruhe, dem neuen Gespann aus Sportdirektor Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter bleiben nur neun Spieltage, um sich auf einen der ersten drei Plätze zu schieben.

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass Breitenreiter die zuletzt unsichere Mannschaft wieder stabilisiert und zurück in die Erstklassigkeit führt. In diesem Fall hätte Kind ein Machtwort zum richtigen, wenn auch ungewöhnlichen Zeitpunkt gesprochen. Derartige Alleingänge sind aber selten von Erfolg gekrönt, beratungsresistente Patriarchen sind im Fußball nicht ohne Grund nahezu ausgestorben. Der geschasste Trainer Daniel Stendel war bei den Fans in Hannover sehr beliebt, der Stimmung im Stadion werden Kinds Personalentscheidungen nicht zuträglich sein. Wer aufsteigen will, braucht aber nicht nur Anweisungen von oben, sondern auch Unterstützung von der Basis.

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