Trainerwechsel : Klopp entfacht beim BVB Aufbruchstimmung

Jürgen Klopp ist neuer Trainer bei Borussia Dortmund. Der Coach soll dem BVB den Weg aus dem grauen Mittelmaß weisen.

Heinz Büse[dpa]
Klopp
Jürgen Klopp -Foto: dpa

DortmundNur vier Tage nach der Trennung von Thomas Doll präsentierte der Bundesligist den 40-Jährigen als neuen Hoffnungsträger. Der Fußball-Lehrer, der wenige Stunden später auf einer großen Party Abschied von seinem Stammverein FSV Mainz 05 nahm, erhält beim BVB einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010. Im Blitzlichtgewitter zahlloser Fotokameras verbreitete Klopp am Freitag Aufbruchstimmung: "Für mich ist es eine Ehre, Trainer beim BVB zu sein. Dem Verein zu helfen, wieder richtig in die Spur zu kommen. Ich habe eine Riesenlust darauf, das jetzt zu machen."

Schon allein das große Medienaufkommen bei seiner Vorstellung machte deutlich, dass sich der Diplom-Sportwissenschaftler mächtig umstellen muss. Anders als in Mainz, wo er nach insgesamt 18 Jahren als Profi und Trainer Kultstatus genießt, erwartet Klopp beim BVB ein wenig beschauliches Umfeld. Er ist nach Jürgen Röber und Doll der bereits dritte Coach binnen 18 Monaten, der beim Revierklub sein Glück versucht. Die hohe Fluktuation auf dem Trainerstuhl bereitet Klopp jedoch kein Kopfzerbrechen: "Solche Erfahrungen sorgen dafür, dass die Zielsetzungen im Verein realistischer werden."

Mehr Risiko bei Transfers

Der gewachsene finanzielle Spielraum der Borussia eröffnet Klopp im Vergleich zu seinen Vorgängern bessere Möglichkeiten, den Kader zu verstärken. Hans-Joachim Watzke stellte eine mutigere Transferpolitik in Aussicht: "Wir werden wieder ein höheres Risiko eingehen, aber nie in alte Zeiten zurückfallen", sagte der BVB-Geschäftsführer mit Bezug auf die Beinahe-Insolvenz des Vereins vor gut drei Jahren.

Die schnelle Verpflichtung von Klopp, der seinen Co-Trainer Zeljko Buvac mitbringt, kam nicht überraschend. Bereits wenige Stunden vor dem Pokalfinale der Borussia am 19. April war er als neuer BVB-Coach für die kommende Saison gehandelt worden. Gleichwohl bestritt die Vereinsführung, bereits vor der Trennung von Doll mit dem neuen Coach verhandelt zu haben. "Wir haben am Montag die ersten Gespräche geführt", versicherte Watzke, "ich glaube, dass jetzt eine spannende Zeit anfängt."

Zorc: optimale Wahl

Ähnlich wie Vorgänger Doll verfügt auch Klopp nicht über allzu große Erfahrung als Trainer. Der BVB ist erst die zweite Station des charismatischen Fußball-Lehrers, der den Zweitligisten Mainz am Rosenmontag 2001 übernommen und nach zwei vergeblichen Anläufen 2004 in die Bundesliga geführt hatte. Die Bedenken, dass es ihm an der nötigen Autorität für seine neue Aufgabe mangeln könnte, mag Klopp nicht teilen: "Dieser Vorwurf trifft mich null, aber ich habe davon gehört. Ich bin zuversichtlich, dass die Mannschaft wieder den Fußball spielt, den die Fans hier sehen wollen."

Einfach wird das nicht. Zwar hat sich der BVB in diesem Jahr für den Uefa-Cup qualifiziert, gilt aber als Problemfall. Kein Team kassierte in der vergangenen Saison mehr Gegentore (62) als der Tabellen-13., nirgendwo war die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit größer. Nach einigen Fehlgriffen bei der Trainersuche glaubt BVB-Sportdirektor Michael Zorc an eine optimale Wahl: "Ich bin sicher, dass wir eine überzeugende Lösung gefunden haben. Jürgen Klopp passt mit seiner Fußball-Begeisterung zum BVB und zu dieser Region." (ae/dpa)

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