Sport : Trainieren für Europa

Fredi Bobic spielt bei Hertha kaum noch – immerhin kann er sich für die EM fit halten

Stefan Hermanns

Berlin. In diesen Zeiten, in denen es wenig Erfreuliches über den Fußballer Fredi Bobic zu berichten gibt, sollte man wenigstens lobend erwähnen, dass er sich rührend um den Nachwuchs kümmert. Am vergangenen Wochenende auf dem Bökelberg zum Beispiel. In der Halbzeitpause spielte sich Bobic mit seinen Leidensgenossen von der Ersatzbank ein paar Bälle zu. Dann flog ein Ball über die Seitenlinie, ein Balljunge spielte ihn zu Bobic zurück – und Bobic den Ball wieder zum Balljungen. So ging das ein paar Mal hin und her, bis die Pause zu Ende war. Zumindest in Mönchengladbach hat Fredi Bobic einen neuen Anhänger gewonnen.

In Berlin ist die allgemeine Wertschätzung für den Stürmer von Hertha BSC nicht mehr ganz so groß. Zuletzt ist Bobic sogar von den eigenen Fans ausgepfiffen worden, als er eingewechselt wurde. Es war der Tiefpunkt in einer ohnehin schwierigen Beziehung zwischen dem Spieler und dem Verein. Vier Tore hat Bobic in dieser Saison für Hertha erzielt, das letzte Anfang Februar, und nachdem er viermal hintereinander nur eingewechselt worden war, saß der Nationalstürmer am vergangenen Wochenende in Mönchengladbach sogar 90 Minuten auf der Ersatzbank – eine ganz neue Erfahrung für Bobic. „Das muss ja Ursachen haben“, sagt Trainer Hans Meyer.

Trotzdem hofft Bobic, dass er heute im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern zum ersten Mal seit dem 13. März wieder von Anfang an spielen kann. Er sei in sehr gutem körperlichen Zustand, sagt er, und „vielleicht – so brutal das jetzt klingen mag – profitiere ich ja von dem Pech des Nando Rafael“. Doch Bobic wird wohl auch heute nicht spielen, obwohl Rafael wegen seines Jochbeinbruchs fehlt. Hans Meyer hat in dieser Woche im Training verschiedene Varianten ausprobiert: mit Artur Wichniarek und Bobic als jeweils einziger Spitze und mit beiden zusammen. „Es drückt mich schon, dass die Alternativen auf dieser zentralen Position eher kleiner sind“, sagt Meyer. Noch mehr drückt ihn, dass Bobic sich im Training nicht wirklich für einen Einsatz empfiehlt.

Fredi Bobic äußert sich im Moment nur auf seiner Homepage öffentlich zu seiner Situation. Wer den Stürmer und seine intuitive Art kennt, weiß, dass das Schweigen vor allem dem Schutz der eigenen Person dient. Hertha steckt im Abstiegskampf, und wenn Bobic seine persönliche Situation wichtiger nähme als die des Vereins, spräche das nicht gerade für sein Sozialverhalten.

In einer anderen Situation würde Bobic diese Saison vermutlich abhaken und auf die nächste hoffen, in der ein neuer Trainer kommt. Doch die Spielzeit endet in diesem Sommer nicht mit ein paar Freundschaftskicks in der Provinz, sondern mit der Europameisterschaft. Für Bobic, der fast 33 Jahre alt ist, könnte die EM das letzte große Turnier seiner Karriere werden. In der Qualifikation hat er wichtige Tore geschossen, und noch ist seine Stellung in der Nationalmannschaft nicht ernsthaft in Gefahr geraten. Für das Testspiel am kommenden Mittwoch in Rumänien wurde Bobic erneut ins Aufgebot berufen. Teamchef Rudi Völler erweist sich in solchen Fällen als positiv nachtragend. „Die Situation ist unbefriedigend“, sagt er, „aber ich weiß, was ich an Bobic habe.“ Vor zwei Jahren, vor der Weltmeisterschaft hat es mit Carsten Jancker einen ähnlichen Fall gegeben. Jancker hatte in der WM- Saison kein einziges Tor in der Bundesliga erzielt, trotzdem wurde er nominiert.

So wie es aussieht, geht es für Bobic in den nächsten Wochen in Berlin nur noch darum, sich einigermaßen fit zu halten für die Europameisterschaft. Angesichts der dünnen Besetzung im Sturm hat Hertha in dieser Woche Ashkan Dejagah von den eigenen Amateuren für einen möglichen Einsatz in der Bundesliga nachgemeldet. Dejagah ist 17 Jahre alt.

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