Sport : Trainieren unter Palmen

Die Winterpause ist kurz, trotzdem sind alle 18 Bundesligisten zur Vorbereitung in den Süden gereist.

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Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Thomas Müller und die Bayern bereiten sich in Katar auf die Rückrunde der Bundesligasaison vor. Foto: dpa
Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Thomas Müller und die Bayern bereiten sich in Katar auf die Rückrunde der Bundesligasaison vor....Foto: dpa

Berlin - Die Bedingungen sind genau so, wie es dem Rekordmeister gebührt. Ein perfekt getrimmter Rasenplatz, angenehme Temperaturen, kurze Wege – und um das Idyll perfekt zu machen, zwitschern sogar die Vögel. Seit Mitte der Woche bereiten sich die Fußballer des FC Bayern München in Katars Hauptstadt Doha auf die Rückrunde der Bundesligasaison vor. Es mangelt ihnen an nichts. Gut, das mit dem Gezwitscher ist nur ein Fake, der Vogelgesang kommt aus Lautsprechern. Wenn’s dem Wohlbefinden dient.

Die neue bunte Glitzerwelt am Persischen Golf hat sich in den vergangenen Jahren zu so etwas wie dem Premiumziel für Trainingslager der Fußball-Bundesligisten entwickelt. „Das Klima, das Hotel, das Essen, die Trainingsplätze – besser geht’s nicht“, sagt Bayerns Trainer Jupp Heynckes. Die Münchner logieren gerade zum dritten Mal hintereinander in Katar. Auch der FC Schalke 04 war bereits im vorigen Jahr in Doha – und ist jetzt wiedergekommen; Eintracht Frankfurt und den Hamburger SV hat es nach Abu Dhabi in die Vereinigten Arabischen Emirate verschlagen, Borussia Mönchengladbach ins nahe Dubai.

Für den Klub, der in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten fast ausschließlich in den Abstiegskampf verstrickt war, ist die Dienstreise an den Golf eine aufregende Sache. Die Region mit ihren tausendundeinen Möglichkeiten hat sich bisher nicht auf der Landkarte der Gladbacher befunden. Man fliegt da nicht so einfach mal hin. Manager Max Eberl gibt zu, dass ein Trainingslager in den Vereinigten Arabischen Emiraten für den Verein bisher „nicht erschwinglich“ war. Das ist im speziellen Fall anders: Die Borussia ist auf Einladung der Deutschen Fußball-Liga und damit sozusagen in höherem Auftrag an den Golf gereist. Der Europa-League-Teilnehmer vertritt die Bundesliga in offizieller Mission und soll im Nahen Osten für den deutschen Fußball werben. „Das machen wir gerne“, sagt Eberl. Dass die Reise nach Dubai führt, „ist umso schöner“. Auch wenn damit zunächst einmal ein knapp sechsstündiger Flug verbunden war. „Das ist gerade noch erträglich“, sagt Eberl. Immerhin durften die Gladbacher in der Business-Klasse fliegen, an Beinfreiheit fehlte es nicht.

„Normalerweise fliege ich nicht gerne fünf oder sechs Stunden ins Trainingslager“, sagt auch Jupp Heynckes. Erst recht nicht, wenn die Vorbereitungszeit ohnehin knapp bemessen ist. Nur etwas mehr als zwei Wochen bleiben den Fußballern zwischen erstem Trainingstag im neuen Jahr und dem ersten Spieltag der Rückrunde. Trotzdem sind alle 18 Klubs in den Süden aufgebrochen. Sie verteilen sich recht gleichmäßig auf die üblichen Trainingslager-Destinationen. Neben dem Persischen Golf sind das Süd-Portugal (Hoffenheim, Leverkusen, Hannover), Süd-Spanien (Dortmund, Freiburg, Nürnberg, Mainz, Düsseldorf) und Belek in der Türkei (Augsburg, Bremen, Fürth, Stuttgart, Wolfsburg). Die 18 Zweitligisten sind bei der Wahl ihrer Reiseziele etwas weniger abwechslungsreich gewesen. 17 trainieren in der Türkei, mehr als die Hälfte davon (unter anderem Hertha BSC) in Belek. Allein den 1. FC Union zieht es nach Spanien (Huelva).

Für die Zweitligisten lohnt sich ein Trainingslager schon deshalb, weil sie zwei Wochen länger Pause haben; bei den Erstligisten geht die Meinung über Sinn und Unsinn solcher Dienstreisen auseinander. Angesichts der kurzen Winterpause verlieren die Spieler wenig von ihrer Grundfitness, zudem verfügen die Klubs alle über winterfeste Trainingsanlagen. Jos Luhukay ist vor einem Jahr mit dem FC Augsburg in der Heimat geblieben, und auch der Mainzer Trainer Thomas Tuchel hätte diese Variante bevorzugt. Dass er trotzdem mit der Mannschaft nach Spanien geflogen ist, hat einen einfachen Grund: Es lassen sich in Deutschland in diesen Tagen keine vernünftigen Testgegner auftreiben. Die sind ja alle im Süden.

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