Sport : Training im Kopf

In Dortmund muss sich Hertha BSC auf die Defensive verlassen können

Stefan Tillmann

Berlin - Eigentlich hätte Falko Götz seine Profis von Hertha BSC in dieser Woche gar nicht auf den Trainingsplatz bitten müssen. Ein passables Übungsspiel war schon deswegen schwer möglich, weil zehn Spieler auf Länderspielreisen waren. Vor allem aber lassen sich die beiden Hauptmängel für die Fehler und verlorenen Punkte auch in geschlossenen Räumen angehen: „Konzentration und Disziplin“, wie der Trainer sagt.

Hertha fühlt sich vor dem Spiel bei Borussia Dortmund an diesem Samstag mit 18 Punkten nach zwölf Spielen unter Wert verkauft. Stets dienten mangelnde Konzentration und Disziplin als Erklärung für vermeintlich verschenkte Punkte. Individuelle Fehler und Standardsituationen waren häufig für die Tore verantwortlich. Meist verwiesen Herthas Trainer Götz und Manager Dieter Hoeneß auf die Jugend, wenn sich Patrick Ebert oder Sofian Chahed kapitale Fehler leisteten. Auch der 32-jährige Dick van Burik nennt „fehlende Konzentration und Disziplin“ als Gründe für die Tore bei Standards. Doch auch er räumt ein, „dass junge Spieler eben gute und schlechte Spiele“ machen.

Für die Viererkette kann diese Entschuldigung nicht gelten. Die Abwehrreihe mit Arne Friedrich, van Burik, Josip Simunic und Malik Fathi ist erfahren und eingespielt. Innenverteidiger van Burik, der in Dortmund trotz Erkältung spielen will, mahnte schon oft, dass das Mittelfeld defensiv mehr tun müsse. Es sind nicht nur die Standards: Kein anderer Fußball-Bundesligist lässt so viele Torchancen zu wie die Berliner. In Dortmund muss Hertha gleich drei Stürmer unter Kontrolle bekommen. Dabei muss Götz im Mittelfeld weiter auf junge Spieler setzen, weil wohl drei Stammspieler ausfallen. Chahed vertritt Pal Dardai, der seine Außenbanddehnung im Sprunggelenk vermutlich nicht rechtzeitig auskurieren wird. Kevin-Prince Boateng ist nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Und auf die Genesung von Yildiray Bastürk warten die Berliner schon seit vier Spielen. Nach seiner Wadenbeinprellung plagt ihn nun noch eine Reizung des Syndesmosebandes im Knöchel.

Im Sturm bangt Hertha um Marko Pantelic, dem Hertha die meisten der 18 Punkte verdankt. Der Serbe, der mit acht Saisontreffern die Torjägerliste anführt, nahm wegen einer Oberschenkelverhärtung gestern nicht am Mannschaftstraining teil. Christian Gimenez fällt definitiv aus. Aus dem Bluterguss des Stürmers ist eine Venenentzündung geworden. Hertha wird in Dortmund vorsichtig wie noch nie in dieser Saison spielen. „Wir werden weniger Pressing spielen und erstmal kompakt stehen“, sagt Götz. Nach dem 3:1-Sieg in Bremen will Dortmunder im siebten Heimspiel den zweiten Heimsieg. Beide Teams sind punktgleich, beide wollen den Anschluss an die Spitzengruppe. Götz will die Jungen auf die hitzige Atmosphäre vorbereiten. Auch nach sieben Monaten ohne Auswärtssieg ist er optimistisch. Gründe sucht er jedoch nicht in der Vorbereitung: „Ich habe so ein Gespür“, sagt Götz und wedelt geheimnisvoll mit seinen Händen.

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