Trainingsauftakt : Ausblick mit Rückblick bei Bayern München

Bayern-Trainingsauftakt: Eine "bessere Balance zwischen Defensive und Offensive" als unter seinem Vorgänger Louis van Gaal will Coach Jupp Heynckes hinbekommen.

von
Jupp Heynckes.
Jupp Heynckes.Foto: AFP

Als er schildern sollte, wie sie sich so anfühle, die Rückkehr zur Säbener Straße, da blendete Jupp Heynckes zurück ins Jahr 1991. Damals wurde der Bayern-Trainer Heynckes entlassen. Und Uli Hoeneß, damals Manager des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München, heute sein Präsident, nennt das eine seiner „größten Fehlentscheidungen“. Den Tag der Vertragsauflösung hat Heynckes in besonderer Erinnerung: „Ich bin zum Tegernsee gefahren.“ Da habe er seine Vorgesetzten getroffen, Hoeneß, Präsident Fritz Scherer und so weiter. „Die Vertragsauflösung hat fünf Minuten gedauert, dann gab es einen kulinarischen Genuss, und dann haben wir Schafkopf gespielt.“

Nach dem Trainingsauftakt des FC Bayern mit nur sieben Spielern (wegen urlaubender Nationalspieler und Rekonvaleszenzen), erläuterte der 66-jährige, neue und zugleich altbekannte Trainer, warum er sich im Frühjahr für Bayern entschieden hat und gegen Leverkusen. Viele taten sich damals schwer, das zu verstehen. Heynckes hatte sich in zwei Jahren eine sehr gut funktionierende Mannschaft mit viel Potenzial aufgebaut, zudem liegt Leverkusen nahe bei seinem Wohnsitz im Niederrheinischen.

Und die Bayern haben eine bisher nur punktuell verstärkte Mannschaft (Rafinha und Nils Petersen), die vergangene Saison fast gar nicht funktioniert hat, hinter Leverkusen auf Platz drei landete und deshalb in die Champions-League-Qualifikation muss. „Aber“, sagte Heynckes, „das hier ist kein Klub wie jeder andere. Ich habe es mal gesagt, als ich bei Real Madrid war: Bayern ist der größte Klub in Europa. Das kam da gar nicht gut an.“ Nun, da sich seine Trainerkarriere dem Ende zuneige, habe er das Angebot nicht ablehnen können.

Doch Heynckes wollte nicht nur Liebeserklärungen loswerden an diesem Tag, sondern auch ein paar programmatische Sätze. Eine „bessere Balance zwischen Defensive und Offensive“ als unter seinem Vorgänger Louis van Gaal will Heynckes hinbekommen. Dafür brauche man Verstärkungen in der Defensive. Jerome Boateng und Arturo Vidal wollten ja auch unbedingt kommen, erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger. „Aber Manchester City ruft für Boateng derzeit einen utopischen Preis auf. Wenn es da keine Bewegung gibt, bin ich pessimistisch.“ Ähnlich verhalte es sich im Fall Vidal. Eine Neuigkeit gab es aber doch: Die Bayern haben einen 19-jährigen Japaner namens Takashi Usami von Gamba Osaka für eine Saison ausgeliehen.

Und wie werden die Bayern nächste Saison spielen? Sicher wieder offensiv, dafür steht Heynckes. Er will aber nicht stur an einem System festhalten. „Wenn es nötig ist, können wir auch mal mit zwei Innenstürmern statt nur einem spielen. Die Spieler müssen sich auch in ihren Positionen verändern können.“ Letzte Saison hätten viele Gegner das starre Bayernsystem ausgehebelt.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben