Trainingsauftakt bei Hertha : Tage der lange offenen Tür

Herthas neuer Trainer Jos Luhukay begrüßt zum Trainingsbeginn den ersten Neuzugang - und wartet derweil auf neue Spieler, den abwanderungswilligen Spielmacher Raffael und europäische Erstligisten als Testspielgegner.

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Zur Ersten Liga geht’s da lang. Jos Luhukay (2.v.l.) gab den Berliner Spielern gleich das Saisonziel mit auf den Weg: sofortiger Wiederaufstieg. Peter Niemeyer (2.v.r.) war einer der wenigen erfahrenen Profis, die der neue Trainer beim Auftakt begrüßen durfte.
Zur Ersten Liga geht’s da lang. Jos Luhukay (2.v.l.) gab den Berliner Spielern gleich das Saisonziel mit auf den Weg: sofortiger...Foto: dpa

Zum Anfang gab es, tatsächlich, Applaus. Die etwa 500 Fans durften, anders als zuletzt, schon vor dem Trainingsbeginn auf das Hertha-Gelände und klatschten, als die Mannschaft des Bundesliga-Absteigers durch ihr Spalier auf den Platz ging. Nach der anderthalbstündigen Saisonauftakteinheit gab es gar ein Bad in der Menge. Kein Spieler wurde von Ordnern abgeführt, anders als Vorgänger Otto Rehhagel schüttelte der neue Trainer Jos Luhukay Hände und lächelte für Fotos, was die Muskeln hergaben.

Auch danach ging die Charmeoffensive weiter. „Es ist wichtig, dass die Fans nach der enttäuschenden Rückrunde und dem Abstieg positiv sind“, sagte Luhukay, „das wollen wir zurückgeben.“ Auch für seine Mannschaft fand er nur Lob. „Mein Eindruck ist positiv, ich habe eine sehr hohe Bereitschaft festgestellt, die Mischung ist gut, wir haben eine Menge junge Spieler, die auf mehr Einsatzzeiten brennen.“

In der Tat brennen derzeit bei Hertha so einige junge Spieler. Von den 20 Akteuren, die beim Auftakt mitmachten – darunter mit Dorian Diring ein französischer Testspieler für die U23 – waren 13 Spieler unter 23 Jahren alt. Auch Neuzugang Elias Kachunga war mit dabei. Und mit Maik Franz und Christoph Janker meldeten sich immerhin zwei Spieler zurück, die im Profigeschäft schon durch das Feuer gegangen sind. Am Sonntag zogen sie aber eher auf kleiner Flamme ihr Rehaprogramm durch. Bis Mitte oder Ende Juli will Franz, der bleiben will und über eine Weiterbeschäftigung verhandelt, fit sein. Was die vergangene Saison angehe „bringt es nichts, nach hinten zu schauen, das müssen wir abhaken. Unser Ziel jetzt ist jedem klar: der Aufstieg“.

Die Abstiegssaison in Bildern

Herthas Saison im Rückblick
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1 von 65Foto: rtr
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Die vom Verteidiger offensiv ausgegebene Parole nahm Luhukay auf. „Das habe ich der Mannschaft als Erstes gesagt: Der Aufstieg ist unser Ziel“, sagte Luhukay. Das Personal, mit dem die Pläne angegangen werden soll, steht noch lange nicht fest. „Die Situation ist nicht optimal, es kann sein, dass die Mannschaft am Anfang Rhythmus, Form und Verfassung nicht hat“, deutete Luhukay an, dass der Saisonstart schwierig werden kann. Aber das beunruhige ihn nicht. „Wir wollen einen erfolgreichen Start, aber wenn das nicht gelingt, gehen die Gedanken nicht in eine andere Richtung.“ Er hofft, dass bis der Kader zwei Wochen vor Zweitligastart – der Spielplan erscheint am Dienstag – zu „90, 95 Prozent steht“.

Training und Tür werden bei Hertha also nicht nur für die Fans lange offen bleiben, sondern auch für Spieler, in beide Richtungen. Der abwanderungswillige Raffael fehlte beim Auftakt, gab aus Brasilien eine Mittelohrentzündung als Grund an. Wann er flugfähig ist, bleibt offen. „Sobald er gesund ist, wird er in Berlin erwartet, um das Training aufzunehmen“, sagte Manager Michael Preetz. Auch die noch urlaubenden Hubnik, Ramos, Schulz, Ben-Hatira und Kobiaschwili sollen in den nächsten Wochen ins Training einsteigen. Die Vertragsverlängerung mit Kobiaschwili bis 2015 begründete Preetz damit „ein Statement zu setzen. Wir lassen nicht zu, dass der Spieler in die Ecke gestellt wird, ein Schläger zu sein“. Zudem ging es um „eine wirtschaftliche Lösung“ für den bald 35-Jährigen. Kobiaschwili wird in der Hinrunde, in der er gesperrt ist, zunächst geringere Bezüge erhalten, gegen Ende des Vertrages soll wie versprochen in der Nachwuchsarbeit einsteigen.

Bei den Profis haben Luhukay sowie seine aus Augsburg mitgebrachten Assistenten Markus Gellhaus und Rob Reekers das Sagen. Vor allem Luhukay ist auf dem Platz laut zu hören, wenn er Handlungsschnelligkeit und Ballkontrolle fordert. Auch bei den Testgegnern hat Luhukay hohe Ansprüche. Außer bei den neu angesetzten Freundschaftspielen, am Freitag gegen den Berliner SC (18 Uhr, Stadion in der Finsterwalder Straße) und gegen den österreichischen Zweitligisten TSV Hartberg am 24. Juli im Trainingslager, wird nur gegen europäische Erstligisten getestet. „Ich wollte bewusst ein schweres Programm, damit ich beim Meisterschaftsstart nicht überrascht werde.“ Bis dahin mit neuen Spielern überrascht zu werden, dagegen hätte er wohl nichts.

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