Sport : Trainingseinheit mit Politikstunde

Der Sport tritt vor dem Freundschaftsspiel der deutschen Fußballer in Sarajevo in den Hintergrund

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Sarajevo (Tsp/dpa). Man stelle sich vor: Teamchef Rudi Völler hätte im WM-Endspiel für Oliver Kahn zur Halbzeit Jens Lehmann ins Tor gestellt. Vielleicht wäre das Endspiel dann anders ausgegangen. Kahn hatte sich bekanntlich beim 0:1 den ersten Patzer der WM geleistet. Doch so ein Torwartwechsel ist nur etwas für minder bedeutende Spiele. Wie das heutige Freundschaftsspiel in Sarajevo gegen Bosnien-Herzegowina (20.30 Uhr, live in der ARD), für das Völler ein solches Job-Sharing vereinbart hat. „Natürlich wollen wir, wenn es geht, auch gewinnen“, sagt der Teamchef, „aber bei allem Druck, den wir als Vizeweltmeister haben: Wichtig ist, dass wir uns für Mittwoch gut einspielen.“ Fünf Tage später steht für seine Nationalmannschaft das EM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer an.

Bei der angekündigten Rotation sollen im „Olimpijski Stadion Kosovo“ sogar alle 19 gesunden Spieler aus dem DFB-Aufgebot zum Einsatz kommen. Verzichten muss Völler auf Dietmar Hamann. Der 29-jährige Mittelfeldspieler vom FC Liverpool saß zwar am Donnerstag mit im Sonderflieger LT 9734 in die serbische Hauptstadt, doch soll er zunächst eine Knöchelverletzung auskurieren. „Wir werden kein Risiko eingehen“, erklärte Völler. Der Teamchef hat Hamann wie auch die in Sarajevo ebenfalls fehlenden Michael Ballack und Christoph Metzelder weiter für die folgende Partie in Hannover gegen die Färöer eingeplant.

Kahn und Lehmann werden sich im Tor abwechseln. Der Kapitän beginnt, Lehmann bestreitet die zweite Halbzeit. Völler kündigte zudem das Comeback der Defensivkräfte Christian Wörns (Dortmund) und Marko Rehmer (Hertha) in einer Viererkette zusammen mit Carsten Ramelow (Leverkusen) und Torsten Frings (Dortmund) an. „Die brennen natürlich, wollen es wieder beweisen“, sagte Völler. Wörns und Rehmer, beide 30 Jahre alt, haben auf Grund von Verletzungen in diesem Jahr jeweils erst ein Länderspiel bestritten.

Über die besondere politische Mission der Bosnien-Reise hatte der Chef mit den Mannschaftsrats-Mitgliedern Kahn, Hamann, Ramelow und Jens Jeremies noch vor dem Abflug in Frankfurt am Main gesprochen. Mit den rund 700 deutschen SFOR-Soldaten im Feldlager Rajlovac, das am Donnerstag direkt nach der Landung auf dem Besuchsprogramm der deutschen Nationalspieler stand, wollten die Nationalspieler über Fußball und das Leben der Soldaten vor Ort sprechen. Schon beim Anflug bekamen die Vizeweltmeister die Auswirkungen der nach wie vor besonderen Lage in Bosnien zu spüren. Das französische Kontingent der SFOR-Truppen, das für den Flughafen von Sarajevo verantwortlich zeichnet, hatte den Landezeitpunkt nach hinten verschoben, der Sonderflug verspätete sich um eine Stunde.

Am Abend bat Völler sein Personal am Spielort zum Abschlusstraining. Die ungewohnte Rolle auf der linken Außenbahn, für die Christian Ziege und Jörg Böhme ausfallen, soll der Neu-Dortmunder Frings übernehmen. „Links ist natürlich nicht meine Lieblingsseite, aber es ist gut, überhaupt zu spielen“, sagte der Dortmunder. Zur Not könne er sich sogar einen Einsatz als Stürmer vorstellen. „Aber nur, wenn wir zurückliegen“, sagte der 25-Jährige scherzhaft. „Er wird es exzellent tätigen“, sagte Völler über dessen Aufgabe auf der linken Abwehrseite.. Die Angriffsbesetzung der Startelf ließ der Teamchef dagegen noch offen, aber auch hier werden alle vier Kandidaten im Lauf des Spiels zum Einsatz kommen.

Völler glaubt daran, dass auch der Kaiserslauterner Stürmer Miroslav Klose nach 488 Minuten ohne Länderspiel-Tor wieder trifft. „Er hat nie den Mut verloren, nie aufgegeben. Irgendwann wird das belohnt.“ Und in der Bundesliga habe sich die Entdeckung der jüngsten Weltmeisterschaft schließlich mit den Toren gegen Cottbus „aus dem Gröbsten schon heraus geschossen“. Doch auch für Klose gilt: Richtig ernst wird es erst gegen die Färöer.

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