Sport : Trainingslager für den Kopf

Der verletzte Thorben Marx rückt näher an Hertha heran

Stefan Hermanns

Maspalomas. Dieter Hoeneß kann richtig ins Schwärmen geraten, wenn er über die Strandläufe am Meer erzählt. Wirklich fantastisch sei das, wenn morgens über dem Wasser die Sonne aufgeht, und zu anstrengend sei es auch nicht, weil der nasse Sand bei Ebbe richtig schön trittfest ist. Thorben Marx läuft auch regelmäßig in Herthas Trainingslager auf Gran Canaria, im Kraftraum auf dem Laufband. Am Strand zu joggen wäre für den U-21-Nationalspieler von Hertha BSC im Moment noch zu gefährlich. „Es könnte sein, dass ich das Bein falsch belaste“, sagt Marx.

Vor vier Monaten, im Spiel gegen Hannover 96, ist Herthas Mittelfeldspieler im Rasen hängen geblieben. Marx wusste sofort, dass es eine schlimmere Verletzung sein würde, einen Tag später stellte sich heraus, dass das Kreuzband im linken Knie gerissen war. Spielen wird Marx noch lange nicht können, trotzdem hat der neue Trainer Hans Meyer ihn mit ins Trainingslager nach Gran Canaria genommen. „Das ist gut für seinen Kopf“, sagt Meyer.

Dabei macht Marx im Süden nichts anderes als das, was er auch zu Hause machen könnte. Vier Stunden verbringt er jeden Tag im Kraftraum. Oft ist er allein, wenn er seine Stabilisationsübungen für das Knie macht, auf dem Laufband läuft oder sich von den Physiotherapeuten behandeln lässt. Nur manchmal sind Kollegen dabei, die kurzzeitig mit dem Training aussetzen, weil die Achillessehne gereizt ist oder der Muskel zwickt. Marko Rehmer etwa muss bis Dienstag mit dem Training aussetzen, weil er sich im Testspiel gegen die chinesische Olympia-Auswahl (1:0, das Tor erzielte Fredi Bobic) eine leichte Schädelprellung zugezogen hat.

Thorben Marx ist noch nicht mittendrin, aber wenigstens wieder dabei. „In Berlin war ich noch weiter von der Mannschaft weg“, sagt er. „Und wenn du sechs Monate in der Reha verbringst, wirst du ja auch ein bisschen bekloppt.“ In Maspalomas scheint wenigstens die Sonne, die Wärme sei gut für sein verletztes Knie, aber viel wichtiger ist das Gefühl, noch zur Mannschaft zu gehören. „Was man sonst überhaupt nicht zu schätzen weiß, ist plötzlich was Besonderes“, sagt Marx. Dass er jetzt endlich einmal wieder den gleichen Trainingsanzug trägt wie seine Kollegen, zum Beispiel.

Erst im Mannschaftshotel in Maspalomas hat Hans Meyer Thorben Marx zum Einzelgespräch gebeten. Mit den meisten anderen Spielern hat der neue Trainer schon in Berlin ausführlich geredet. Marx war einer der Letzten auf seiner Liste. Meyer habe ihn ein bisschen aufgemuntert, sagt der Mittelfeldspieler, allerdings weiß er selbst, „dass ich ihm im Abstiegskampf wahrscheinlich nicht viel helfen kann“. Die Heilung des Knies verlaufe zwar gut, und wenn es so weitergeht, könnte Marx in einem Monat die ersten Übungen auf dem Platz machen und wiederum einen Monat später ins Mannschaftstraining einsteigen. Bis er aber wieder fit ist, wird die Saison so gut wie vorbei sein.

Vor fünf Jahren, als A-Jugendlicher, hat sich Marx schon einmal das Kreuzband im anderen Knie gerissen. Damals dauerte es acht Monate, bis er wieder spielen konnte. Allerdings war er da auch noch kein privilegierter Profi wie heute. „Ich musste fast sieben Wochen auf die Operation warten, weil der Arzt keinen Termin frei hatte“, sagt Marx. Diesmal geht alles schneller, die medizinische Versorgung ist besser, und trotzdem hat er das Gefühl: „Die Zeit vergeht irgendwie überhaupt nicht.“ Marx weiß, dass Ungeduld gefährlich sein könnte: „Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel mache.“ Andererseits würde er Hertha gerne helfen im Abstiegskampf und nach der Bundesliga-Saison mit der U-21-Nationalmannschaft in Deutschland um den EM-Titel und die Qualifikation für Olympia spielen. „Eine solche Chance hat man als Fußballer nur einmal im Leben“, sagt Marx.

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