Trainingslager in Belek : Hertha BSC: 2:2 nach 0:2 gegen Borussia Mönchengladbach

Hertha BSC bleibt auch im zweiten Testspiel in Belek ungeschlagen. Beim 2:2 gegen den Tabellennachbarn Gladbach treffen Plattenhardt und Haraguchi.

von
Zwei gegen einen. Valentin Stocker (l.) und Yanni Regäsel nehmen Gladbachs Neuen Jonas Hofmann in die Zange.
Zwei gegen einen. Valentin Stocker (l.) und Yanni Regäsel nehmen Gladbachs Neuen Jonas Hofmann in die Zange.Foto: Imago/DeFodi

Die Fans von Hertha BSC hatten deutlich hörbar ihren Spaß. Sie sangen ziemlich ausdauernd vom Europapokal, feierten mit großer Regelmäßigkeit den Ivorer Salomon Kalou – und einmal auch Ersatztorhüter Sascha Burchert. Nach einem ziemlich gewagten Rückpass von kurz hinter der Mittellinie klärte der Torhüter des Berliner Fußball-Bundesligisten sehr gekonnt mit dem Kopf. Herthas Anhang forderte daraufhin: "Burchert in den Sturm, Burchert in den Sturm." Wirklicher Bedarf besteht im Angriff der Berliner allerdings nicht. Gegen den Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach holte die Mannschaft von Trainer Pal Dardai am Dienstagabend einen 0:2-Rückstand auf. 2:2 endete das zweite Testspiel im Trainingslager in Belek, das mit einer Schweigeminute für die Opfer des Terroranschlags in Istanbul begonnen hatte.

Sinan Kurt kam gegen seinen Ex-Klub nicht zum Einsatz

Die Begegnung gegen Hertha war für die Gladbacher - wie schon für Hannover 96 am Montag - bereits das zweite Testspiel des Tages. Den türkischen Erstligisten Sivaspor hatten sie zuvor durch Tore von Josip Drmic und Branimir Hrgota 2:1 besiegt. Gegen die Berliner boten sie eine andere Mannschaft auf, in der die beiden Winterzugänge Martin Hinteregger und Jonas Hofmann ihr Debüt für die Borussia gaben. Herthas Neuer, der gebürtige Mönchengladbacher Sinan Kurt, kam gegen seinen früheren Klub hingegen nicht zum Einsatz.

Während die Gladbacher Mannschaft weitgehend durchspielte, wechselte Herthas Trainer Pal Dardai zur Pause erneut komplett durch. Nur Julian Schieber, der erst seit wenigen Tagen wieder mit der Mannschaft trainiert, ist von den Feldspielern bisher in Belek noch nicht zum Einsatz gekommen. Der Stürmer soll aber am Mittwoch gegen den VfL Bochum und am Samstag im abschließenden Test gegen den Schweizer Erstligisten FC Vaduz wenigstens ein paar Minuten spielen. Ob dann auch Thomas Kraft wieder im Tor stehen kann, ist noch ungewiss. Herthas Nummer eins, die seit dem sechsten Spieltag von Rune Jarstein vertreten wird, klagte erneut über Beschwerden an der lädierten Schulter und konnte am Dienstag nur eingeschränkt trainieren.

Torhüter Thomas Kraft hat immer noch Probleme mit der Schulter

In der Bundesliga wäre das Duell beider Mannschaften im Moment so etwas wie das Duell um den letzten direkten Champions-League-Platz, quasi das Spiel um Platz drei. Hertha ist zur Winterpause Dritter, Borussia Mönchengladbach folgt mit drei Punkten Abstand auf Rang vier. In der Hinrunde waren die Gladbacher der Gegner, gegen den Hertha am schlechtesten ausgesehen hatte. Beim 1:4 im eigenen Stadion waren die Berliner dem Champions-League-Teilnehmer noch deutlich unterlegen. Dass sich beide Teams zuletzt auf etwa gleichem Niveau bewegt haben, ist jedoch nicht nur an der Tabelle abzulesen; es war auch in Belek, knapp zweieinhalb Monate nach ihrem Aufeinandertreffen in der Liga, zu sehen.

Beide Mannschaften neutralisierten sich über weite Strecken auf hohem Niveau. Die Berliner waren zu Beginn das aktivere Team, hatten mehr Ballbesitz; sie haben im Spiel nach vorne jedoch noch nicht die Selbstverständlichkeit wie die Gladbacher, die im letzten Drittel besser kombinierten und nach einer knappen halben Stunde auch zur ersten guten Gelegenheit aus dem Spiel heraus kamen. Jarstein parierte einen Versuch von Fabian Johnson, den Nachschuss setzte Mahmoud Dahoud über das Tor. Kurz darauf bereitete der frühere Herthaner Raffael das 1:0 der Gladbacher mit einem schönen Solo vor: Ein kurzer Antritt, ein feiner Pass aus dem Fußgelenk – und schon stand Johnson frei vor Jarstein und vollendete zur Gladbacher Führung.

Hertha vergab in der ersten Hälfte zwei gute Freistoßchancen. Zweimal trat Vladimir Darida den Ball von der linken Seite mit rechts vor das Gladbacher Tor. Beim ersten Mal brachte Vedad Ibisevic nicht genug Druck hinter seinen Kopfball, so dass Gladbachs Torhüter Yann Sommer wenig Probleme hatte. Beim zweiten Freistoß stand Salomon Kalou, der diesmal auf der rechten Außenbahn spielte, am langen Pfosten völlig frei, setzte den Ball jedoch hoch übers Tor. Kurz vor der Pause kamen die Berliner zu ihrem schönsten Angriff: Nach einer Flanke von Yanni Regäsel setzte Ibisevic den Ball per Fallrückzieher nur knapp am Tor vorbei. Regäsel spielte erneut als linker Außenverteidiger. Zur Regel soll das allerdings nicht werden. Dass der Rechtsfuß wie schon gegen Hannover wieder auf der falschen Seite zum Einsatz kam, ist eher Teil einer umfassenden Ausbildung. Das Gleiche gilt für den gelernten Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt, der sich nach der Pause im defensiven Mittelfeld versuchen durfte.

Trainer Dardai: "Wir hatten ein paar schöne Spielzüge dabei"

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit wäre Hertha beinahe der Ausgleich gelungen. Doch Roy Beerens vergab aus fünf Metern nach guter Vorarbeit von Peter Pekarik kläglich. Im Gegenzug kassierten die Berliner das 0:2. Nach einem flott vorgetragenen Konter suchte Marvin Plattenhardt zu zögerlich den Zweikampf mit Raffael, der den Ball unbedrängt ins lange Eck schieben konnte. Immerhin machte Herthas Linksverteidiger seinen Fehler nach einer Stundewieder gut. Mit einem direkt verwandelten Freistoß aus gut 25 Metern traf er zum 1:2, zehn Minuten später gelang Genki Haraguchi nach einem langen Pass von Änis Ben-Hatira der Ausgleich. "Die erste Halbzeit war sehr kontrolliert. Unsere Spielordnung war gut und wir haben uns Chancen erspielt", sagte Pal Dardai. In der zweiten Hälfte brauchte Hertha gegen die ballsicheren Gladbacher eine gewisse Anlaufzeit, „aber mit zunehmender Dauer hatten wir einige schöne Spielzüge dabei“, fand Herthas Trainer. Das war für Dardai vermutlich noch ein bisschen wichtiger als das erfreuliche Ergebnis.


Borussia Mönchengladbach: Sommer – Elvedi (46. Rütten), Christensen, Hinteregger, Wendt – Hofmann (90. Sezer), Dahoud, Nordtveit, Johnson (90. Pedersen) – Raffael, Stindl.
Hertha (1. Halbzeit): Jarstein – Weiser, Stark, van den Bergh, Regäsel –Lustenberger, Skjelbred – Kalou, Darida, Stocker – Ibisevic.
Hertha (2: Halbzeit): Burchert – Pekarik, Langkamp, Brooks, Plattenhardt – Beerens, Mittelstädt, Cigerci, Ben-Hatira – Haraguchi, Baumjohann.

1 Kommentar

Neuester Kommentar