Trainingslager in Schladming : Hertha BSC und das Verletzungspech der Neuzugänge

Herthas Neuzugänge sind oft mehr beim Arzt als auf dem Platz zu sehen. Bei der angestrebten Verpflichtung des Österreichers Valentino Lazaro wählt der Klub eine neue Herangehensweise.

Spielertausch. Hertha BSC hatte in den vergangenen Jahren nicht immer Glück mit dem körperlichen Zustand der Neuerwerbungen.
Spielertausch. Hertha BSC hatte in den vergangenen Jahren nicht immer Glück mit dem körperlichen Zustand der Neuerwerbungen.Foto: Soeren Stache/dpa

Das Knie fühlte sich irgendwie seltsam an. Zwar verspürte Mitchell Weiser keine Schmerzen, während er seine Runden auf dem Platz der Athletic Area in Schladming drehte, trotzdem sollte sich das Bauchgefühl des Flügelspielers von Hertha BSC als richtig erweisen. Weiser unterbrach das Training und wurde an der Seitenlinie vom vereinseigenen Physiotherapeuten behandelt, der eilig ein paar Tests machte und einen dicken Kühlverband anlegte. Wenig später folgte die Diagnose: Innenbanddehnung, vier Wochen Pause. Glücklicherweise kam Weiser ohne Operation davon.

Bevor jene Anhänger von Hertha BSC, die nicht mit ins Trainingslager nach Schladming gereist sind, nun das Schlimmste befürchten und direkt anfangen zu hyperventilieren, gibt es an dieser Stelle erstmal Entwarnung: Die Szene ereignete sich bereits im Juli 2015. Trotzdem taugt sie durchaus als Sinnbild für den eher unglücklichen Start, den insbesondere die mit hohen Erwartungen verpflichteten Neuzugänge in den vergangenen Spielzeiten in Berlin erwischten. Bei den großen Transfers hatte Hertha oft Pech mit Verletzungen – und es ging freilich nicht immer so glimpflich aus wie im Fall Mitchell Weiser, der sich längst zu einem Leistungsträger entwickelt hat.

Alexander Baumjohann etwa zog sich innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Kreuzbandrisse zu und verließ den Verein später mehr oder minder freiwillig. Mittelfeldspieler Ondrej Duda, im Sommer 2016 für viel Geld von Legia Warschau verpflichtet, schleppte sich ebenfalls mit vielen kleinen und großen Wehwehchen durch sein erstes Jahr in Deutschland, ohne dabei besonders aufzufallen.

Verpflichtung von Lazaro steht offenbar kurz bevor

Auch vor dem neuerlichen Ausflug in die Steiermark musste Trainer Pal Dardai aus gesundheitlichen Gründen einen neuen Spieler in Berlin zurücklassen, den er garantiert gern dabei gehabt hätte: Davie Selke. Der prominenteste Zugang des Sommers hat sich kürzlich im Training verletzt und fällt wegen eines Knochenmarködems wochenlang aus. Darüber hinaus hätte der ungarische Trainer sicher kein Veto dagegen eingelegt, seinen erklärten Wunschspieler Valentino Lazaro mit nach Österreich zu nehmen. Die Sache ist nur: Formal ist Lazaro noch kein Berliner, sondern weiterhin Angestellter von RB Salzburg. Und, wie sollte es anders sein: aktuell wegen einer Knöchelverletzung außer Gefecht. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben die beiden Vereine bislang keine konsensfähige Lösung zur Zukunft des 21-Jährigen erzielen können.

Basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit hat der Fall Lazaro offenbar zu einem Umdenken bei Herthas Entscheidungsträgern geführt. Wie der „Kicker“ berichtet, sind die Berliner nicht mehr gewillt, den Mittelfeldspieler zu kaufen – vielmehr schwebt ihnen ein Leihgeschäft mit Kaufoption vor. Lazaros Außenbandverletzung am linken Knöchel soll sich bei eingehenderen Untersuchungen in Berlin und München als schwerer herausgestellt haben als zunächst angenommen. Dadurch gerieten die Planspiele beider Vereine ordentlich durcheinander. Man könnte auch sagen: Hertha weigert sich, die Katze im Sack zu kaufen und will Lazaro erst dann längerfristig an sich binden, wenn er sich einwandfreier körperlicher Gesundheit erfreut. Angesichts der Berliner Vorgeschichte mit prominenten Verletzten ist das sicher nicht die schlechteste Herangehensweise, zumal die verhandelnden Parteien offenbar kurz vor einer Einigung stehen.

Bis es eventuell soweit ist, muss Dardai zunächst jene 24 Spieler anleiten, die am Montag die Reise nach Schladming angetreten haben. Überraschenderweise zählte Jordan Torunarigha nicht dazu. Der junge Verteidiger, der zuletzt nur individuell trainierte, entschied nach Rücksprache mit seinem Trainer, dass es für ihn besser sei, seine Verletzung vollends in Berlin auszukurieren. Auch die A-Junioren Florian Baak, Arne Maier, Julius Kade und Pal Dardai junior durften die erste Einheit nach ihren Wochenend-Einsätzen in der zweiten Mannschaft ausfallen lassen. Alle anderen 19 Teilnehmer überstanden das 90-minütige Training verletzungsfrei.

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