Trainingslager in Südtirol : Neuer und Lahm sind zur Regeneration gezwungen

Noch immer schleppt die Nationalmannschaft eine ganze Menge gesundheitlicher Probleme mit sich herum. Manuel Neuer wird fast rund um die Uhr physiotherapeutisch behandelt. Das Trainingsprogramm von Philipp Lahm besteht aus Fahrradfahren und Aquajogging

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Fußball-Bundestrainer Joachim Löw muss vielleicht während des gesamten Trainingslagers in Südtirol auf Manuel Neuer und Philipp Lahm verzichten.
Fußball-Bundestrainer Joachim Löw muss vielleicht während des gesamten Trainingslagers in Südtirol auf Manuel Neuer und Philipp...Foto: dpa

Gemessen an den derzeitigen Umständen war der Sonntag ein ziemlich guter Tag für Manuel Neuer. Am Nachmittag durfte er das Behandlungszimmer ausnahmsweise verlassen, um seinen Kollegen bei der Kernarbeit zuzuschauen. Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gestern im Trainingslager im Passeiertal das erste ihrer drei Testspiele gegen die eigene U 20 bestritt (7:1), war ihr Stammtorhüter zumindest schon mal als Zuschauer zugegen. „Es ist schön, dass ich wenigstens den grünen Rasen mal wieder sehe“, sagte Manuel Neuer. An mehr ist bei ihm einstweilen nicht zu denken.

Drei Wochen sind es noch, bis die deutschen Fußballer gegen Portugal in die WM starten, und noch immer schleppt die Nationalmannschaft eine ganze Menge gesundheitlicher Probleme mit sich herum. Anflüge von Panik sind trotzdem eher im Umfeld des Teams festzustellen als in der Mannschaft selbst. Auch Neuer, der am Tag seiner verspäteten Anreise nach Südtirol noch mit dem Arm in einer Schlinge fotografiert wurde, gibt sich ziemlich aufgeräumt. Keine Spur von Zweifeln, keine Verbitterung über die Verletzung zur Unzeit, die er sich vor einer Woche im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund zugezogen hat. In der Verlängerung stürzte der Torhüter unglücklich auf seine Schulter und verletzte sich dabei die Kapsel am Eckgelenk.

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WM-Teilnahmen sind nicht gefährdet

Neuer wird im Mannschaftshotel weiterhin fast rund um die Uhr physiotherapeutisch behandelt, aber wenigstens die Schlinge, mit der die Schulter in den ersten Tagen ruhig gestellt worden ist, hat er inzwischen ablegen dürfen. „Das sähe ja auch ein bisschen blöd aus, wenn ich demnächst ins Tor gehen will“, sagt Neuer. Und dass er recht schnell dorthin zurückkehren wird, daran lässt der 28-Jährige keinen Zweifel. So früh wie möglich will er wieder auf den Platz, um sich mit der Mannschaft einzuspielen. Wann das sein wird? Er weiß es nicht. Und trotzdem: „Für die WM mache ich mir keine großen Gedanken.“

So ähnlich hat sich auch Bundestrainer Joachim Löw über seinen Torhüter und den zweiten prominenten Patienten aus seinem Kader geäußert. Kapitän Philipp Lahm hat es ebenfalls im Pokalfinale erwischt. Er musste früh ausgewechselt werden, bei ihm wurde später eine Kapselverletzung am linken Sprunggelenk diagnostiziert. Man müsse sich zwar bei beiden noch etwas gedulden, sagt Löw, aber nach Aussage der behandelnden Ärzte ist weder bei Lahm noch bei Neuer die WM-Teilnahme gefährdet. Das gilt auch für das dritte Opfer des Pokalfinales. Dortmunds Linksverteidiger Marcel Schmelzer bekam in einem Zweikampf einen Schlag gegen das linke Knie. Weil nach den ersten Einheiten in Südtirol der Schmerz zurückkehrte, muss auch Schmelzer derzeit mit dem Training aussetzen.

Die allgemeine Aufregung wird größer

Je näher das Turnier rückt, desto größer wird angesichts solcher medizinischen Bulletins die allgemeine Aufregung. Neuer hält die Sorge für übertrieben: „Die Leute, die angeschlagen sind, das sind auch die Leute, die Biss haben.“ Lahm, Schmelzer, auch Bastian Schweinsteiger und Neuer selbst sind Kämpfer – wenn es sein muss auch gegen den eigenen Körper. Sie werden alles Erdenkliche tun, um bei der WM dabei zu sein.

Bei Philipp Lahm rechnet der Bundestrainer damit, dass er am Dienstag oder Mittwoch das Lauftraining aufnehmen kann, „und dann muss man sehen, was er auf dem Platz machen kann“. Bisher ist Lahm die Belastung des verletzten Fußes noch untersagt, sein Trainingsprogramm besteht aus Fahrradfahren und Aquajogging. Dass der Kapitän noch vor der Abreise aus Südtirol am Samstag ins Mannschaftstraining zurückkehrt, ist eher nicht zu erwarten. „Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht“, sagt Lahm. „Das Gute ist, dass ich fit aus der Saison gegangen bin.“ Dramatische Einbußen bei der Fitness sind bei ihm nicht zu erwarten. Sein Teamkollege Miroslav Klose findet es sogar gut, dass Lahm nach den vielen Spielen mit den Bayern mal ein paar Tage in seinem Tatendrang gebremst wird. Die Verletzungspause wird gewissermaßen zur Regenerationsmaßnahme umgedeutet.

Bei Manuel Neuer sieht die Prognose so aus, „dass ich voll im Zeitplan bin“. Das Hämatom an der Schulter ist weitgehend abgeklungen, „das Schlüsselbein sieht aus wie auf der anderen Seite“, sagt er. „Die Lymphdrainage hat super funktioniert.“ Noch ist es Neuer untersagt, die Arme über den Kopf zu heben, was die Arbeit eines Torhüters nicht nur erheblich erschwert, sondern weiterhin vollständig ausschließt. Für den Münchner ist „das keine tolle Erfahrung im Moment“, gerade weil er so gerne Sport treibt und sich selbst für einen ziemlich ungeduldigen Menschen hält. „Aber ich zügle mich. Ich möchte natürlich nichts riskieren.“

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