Sport : Trainingsplan vom Arbeitsamt

Shergo Biran spielte als arbeitsloser Berufsfußballer für Babelsberg. Bei Union fand er einen Job, darf ihn aber wohl nicht antreten

Katrin Schulze

Berlin - Die Arbeit eines Lageristen fällt normalerweise nicht in den Alltag eines Berufsfußballers. Im Fall Shergo Biran allerdings verhält sich das anders. Statt mit seinem Verein, dem Regionalligisten SV Babelsberg 03, zu trainieren, musste er schon mal Waren zusammenstellen oder Pakete packen. Den Auftrag dazu erhielt der 28 Jahre alte Stürmer von der Arbeitsagentur Potsdam. Dort nämlich war er als arbeitsloser Amateurfußballer gemeldet.

Weil seinem Verein die Fußballkünste des Deutsch-Syrers gerade mal eine Aufwandsentschädigung von 150 Euro im Monat wert waren, bezog Biran die restlichen Lebenshaltungskosten – rund 1000 Euro – vom Amt. Doch in Babelsberg unterschätzte man die Qualitäten des Stürmers offenbar, denn der 150 Euro teure Mann war in der Hinrunde mit neun Treffern der erfolgreichste Torschütze seiner Mannschaft. Obwohl Birans Berater dem Regionalligisten bereits vor zwei Monaten mit einem Vereinswechsel gedroht hatte, wenn sie seinem Mandanten nicht mehr Geld zahlen würden, wollte Babelsberg seinem besten Stürmer keinen besseren Vertrag anbieten. „Ich habe für 150 Euro bei Babelsberg alles gegeben“, sagte Biran. „Dennoch haben sie mir kein vernünftiges Angebot gemacht.“

Einem anderen Verein waren die Torjägerqualitäten von Biran deutlich mehr wert. Der 1. FC Union bot dem Stürmer angeblich 5000 Euro – Biran zögerte angesichts dieser enormen Gehaltserhöhung nicht lange. „Ja, ich habe dort einen Vertrag bis 2009 unterschrieben“, sagte er. Und zog mit dem neuen Kontrakt sofort zur zuständigen Arbeitsagentur, um sich als Arbeitsloser abzumelden.

Eines hatte der 28-Jährige dabei allerdings vergessen. „Shergo Biran hat beim SV Babelsberg 03 noch einen rechtsgültigen Vertrag bis zum 30. Juni 2008“, sagt Geschäftsführer Ralf Hechel. Ist Biran nun offiziell bei beiden Vereinen, Union und Babelsberg, spielberechtigt? Babelsbergs Geschäftsführer Hechel kennt darauf nur eine Antwort: „Befristete Verträge sind nicht kündbar.“ Deshalb geht Hechel davon aus, dass „Biran beim Trainingsbeginn am 10. Januar im Dress der Babelsberger auflaufen wird“. Auch der Geschäftsführer des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) sieht Babelsberg im Recht. „Ein Wechsel ist nur mit Zustimmung des abgebenden Vereins möglich“, sagt Holger Fuchs. Die Querelen haben die Babelsberger dazu veranlasst, höhere Instanzen einzuschalten. „Darüber sollen sich jetzt Juristen unterhalten“, sagt Hechel.

Den Betroffenen selbst scheinen die Streitigkeiten um seine Person nicht zu beeindrucken – Biran wähnt sich nämlich bereits in Berlin-Köpenick. „Ich weiß nur, dass ich ab dem ersten Januar definitiv für Union spiele“, sagt Biran. Mit den Berlinern rechne er sich nicht nur größere Chancen aus, nächste Saison in der dritten Profiliga zu spielen, sondern bekäme gleichzeitig auch mehr Gehalt. Lagerarbeiten hätte Shergo Biran dann jedenfalls nicht mehr nötig.

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