Transfer : Hertha verpflichtet Bayern-Torwart Kraft

Hertha BSC hat die zweite Neuverpflichtung für die Bundesliga-Saison 2011/12 getätigt. Der Aufsteiger lotst mit Thomas Kraft eines der größten deutschen Torwarttalente vom FC Bayern nach Berlin.

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Thomas Kraft wechselt von Bayern München zu Hertha BSC.
Thomas Kraft wechselt von Bayern München zu Hertha BSC.Foto: dapd

Den ersten Erfolg in der neuen Bundesliga-Saison hat Hertha BSC schon errungen. Der Wiederaufsteiger aus Berlin hat sich die Dienste eines der größten deutschen Torwarttalente gesichert: Thomas Kraft vom FC Bayern München unterschrieb am Montagabend einen Vertrag über vier Jahre. Er geht als die klare Nummer eins in die neue Spielzeit. Kraft sprach von einer "großen Herausforderung" und lobte die "Vision" Herthas für die Bundesliga. Er habe die Euphorie, die in Berlin um Hertha entstanden sei, verfolgt - "das war Grund dafür, hier für vier Jahre zu unterschreiben", sagte Kraft. Der 22-Jährige saß zuletzt in München wieder auf der Ersatzbank.

Kraft ist Herthas zweite Neuverpflichtung für die Bundesliga. Nach dem Offensiv-Allrounder Tunay Torun (21 Jahre/HSV) kommt nun auch der Torwart ablösefrei. "Wenn man die Chance hat, einen Spieler seiner Klasse ablösefrei zu bekommen, wäre es fahrlässig, wenn man sich nicht mit diesem Thema befassen würde", sagte Manager Michael Preetz. "Thomas Kraft war von vielen Vereinen umworben, da er ein Schlussmann mit großem Können und Potenzial ist."

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Münchens längst gefeuerter Trainer Louis van Gaal hatte Kraft, einem Talent aus dem eigenen Nachwuchs, im Winter den Stammplatz im Tor anvertraut. Der belohnte das Vertrauen mit meist bemerkenswerten Leistungen. Höhepunkt war das Champions-League-Achtelfinale bei Inter Mailand, in dem er Samuel Eto'o mehrmals zur Verzweiflung brachte. "Seine große Stärke ist, dass er sich von nichts aus der Ruhe bringen lässt und unglaublich fokussiert ist", lobte ihn Stürmer Mario Gomez. Dass in der Ruhe seine Kraft liegt, macht Kraft besonders für Hertha interessant. Denn von Herthas bisheriger Nummer eins, Maikel Aerts, ließ sich das nicht immer sagen.

Der Niederländer Aerts war im vorigen Sommer ablösefrei von Willem II Tilburg nach Berlin gekommen und verfügt noch über einen Vertrag bis 2012. Seine Zukunft ist unklar. Im Oktober hatte sich der 34 Jahre alte Torwart das vordere Kreuzband im rechten Knie angerissen. Aerts fiel wochenlang aus, ohne sich operieren zu lassen. In der Winterpause war intern die Verpflichtung eines neuen Schlussmanns erwogen worden. Das deutete darauf hin, dass man auch den beiden Ersatzleuten Marco Sejna und Sascha Burchert nicht vollends traute. Nach seiner Rückkehr in der Rückrunde konnte Aerts nicht immer überzeugen. Gut möglich, dass sich nun sowohl Aerts als auch Burchert neue Arbeitgeber suchen.

Wie der Tagesspiegel exklusiv berichtet hatte, hatte Hertha Kraft vor zwei Wochen einen Vertrag angeboten. In den Gesprächen hatte der Torwart bei Herthas Trainer Markus Babbel, der selbst lange bei den Bayern gespielt hatte, einen guten Eindruck hinterlassen und galt fortan als Wunschkandidat Nummer eins für das Trikot mit der Rückennummer eins. Bis zuletzt wurde noch über die finanziellen Konditionen verhandelt, Kraft muss hier Einbußen gegenüber seinem Münchner Einkommen hinnehmen. Ebenfalls an ihm interessiert waren lange der HSV und der FC Schalke 04, der den eigenen Stammtorwart Manuel Neuer wohl an die Bayern abgeben wird. Der Rekordmeister soll Neuer einen Vierjahresvertrag angeboten haben. Gepokert wird hier noch um die Ablöse, die bei gut 20 Millionen Euro liegen soll.

Wie Manuel Neuer zeichnet Kraft neben guten Reflexen vor allem eines aus: Er kann gut Fußball spielen. Schon Jürgen Klinsmann wollte als Bayern-Trainer lieber ihn anstatt Michael Rensing als Stammtorwart einsetzen, scheiterte aber am Veto der Bosse. Krafts Spiel kam auch van Gaals Devise entgegen, nach der ein Torwart immer der letzte Feldspieler ist. Genau dieses Mantra führte allerdings dazu, dass Kraft im Herauslaufen manch folgenschwerer Fehler unterlief. Patzer in Hannover und Nürnberg kosteten van Gaal schließlich den Job und Kraft seinen Stammplatz, und Bayern Münchens wütender Präsident Uli Hoeneß tobte: "Mit dem Torwartwechsel ging die ganze Scheiße los." Die Fans der Bayern dagegen feierten ihn.

Kraft, gebürtig im Westerwald, ist auch ob seiner Bodenständigkeit beliebt. "Ich brauche kein Partyleben", ließ er in München wissen. Nun zieht er mit Frau und Hund nach Berlin. Bayern-Urgestein Sepp Maier freut sich jedenfalls schon auf ein Duell Neuer gegen Kraft, wenn Hertha in der Bundesliga bei den Bayern antritt: "Mit Neuer habe ich eigentlich wenig zu tun gehabt, da bin ich dann natürlich für Kraft. Den kenne ich schon, seit er 15 war."

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