Transfer-Karussell : 20.000.000 Euro

Der Hamburger SV verkauft Mittelfeldspieler Nigel de Jong an Manchester City. Es ist der zweitteuerste Transfer in der Geschichte der Bundesliga.

Karsten Doneck
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Nigel de Jong

Berlin - Alles war haarklein ausgehandelt. Nigel de Jong sollte bis zum Sommer 2011 beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV bleiben und dort mit drei Millionen Euro Jahresgehalt zu den Bestverdienenden aufsteigen. Aber binnen einer Woche änderte sich die Situation grundlegend. Manchester City, das dank Scheich Mansur bin Zajed al Nahyan offenbar über unbegrenzte Geldmittel verfügt, bot dem HSV erst 15, kurze Zeit später dann 17,5 Millionen Euro für de Jong – und bekam den Spieler schließlich für geschätzte 20 Millionen. Gestern fuhr der holländische Nationalspieler nach Manchester, wo er seinen neuen Vertrag über eine Laufzeit von viereinhalb Jahren mit dem Tabellen elften der englischen Premier League unterschrieb.

Bisher wurden nur bei einem einzigen Transfer aus der Bundesliga ins Ausland größere Summen bewegt: Owen Hargreaves ging 2007 für 25 Millionen Euro von Bayern München zu Manchester United. Was das Geschäft mit de Jong für den HSV zudem lukrativ macht: Der 24-Jährige soll in seinem aktuellen Vertrag eine Ausstiegsklausel haben, wonach er im Sommer 2009 für festgeschriebene 2,5 Millionen Euro hätte wechseln können.

Der Mittelfeldspieler pausierte zuletzt monatelang wegen eines Innenbandanrisses. „Ich bin schmerzfrei“, sagte de Jong nach der Rückkehr aus dem Winter trainingslager des HSV in La Manga (Spanien). Dietmar Beiersdorfer forcierte daraufhin die Verhandlungen um eine vorzeitige Verlängerung des bis 2010 laufenden Vertrags mit de Jong. „Er ist ein wichtiger Mann für uns“, sagte der HSV-Sportchef. Und wertvoll obendrein. So teuer hat der HSV noch nie einen Spieler verkauft. Selbst bei Rafael van der Vaarts Wechsel zu Real Madrid sprangen bloß 15,5 Millionen Euro als Ablöse heraus.

Als Nigel de Jong im Januar 2006 von Ajax Amsterdam nach Hamburg geholt wurde, zahlte der HSV nur 1,5 Millionen Euro. Satte Transferüberschüsse zu erzielen, ist beim HSV seit langem wesentlicher Bestandteil der Vereinspolitik. Preiswert kaufen, teuer verkaufen: Neben van der Vaart und de Jong passten in dieses Schema beispielsweise auch Daniel van Buyten (zu Bayern München) und Khalid Boulahrouz (zum FC Chelsea). Einmal, im Jahre 1991, bewahrte ein solcher Transfer den damals hoch verschuldeten HSV gar vor dem Finanzkollaps: Für 15 Millionen D-Mark war Mittelfeldspieler Thomas Doll zu Lazio Rom gewechselt.

In Manchester erhielt de Jong einen Vertrag bis zum 30. Juni 2013. Er soll per annum 4,5 Millionen Euro verdienen. De Jongs Position beim HSV wird künftig wohl Alex Silva einnehmen, der noch an einem Leistenbruch laboriert. Der Werdegang des Brasilianers beim HSV ähnelt dem von de Jong: Anfangs galt er schon als Fehleinkauf, allmählich reift er zum Leistungsträger. Mit Alex Silva bei einem Transfer einen stattlichen Überschuss zu erzielen, wird dem HSV indes schwerfallen: Der Mann kostete bereits sieben Millionen Euro.

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