Transfer-Poker : Diego kommt nicht nach Wolfsburg

Wolfsburg steigt aus dem Transfer-Poker um Diego aus. Nach Ballack ist der Brasilianer der zweite Profi der Güteklasse A, der die Wolfsburger im Regen stehen lässt. Fraglich bleibt, was aus dem wechselwilligen Spielmacher Zvjezdan Misimovic wird.

von
Beide Daumen hoch für Juve. Diego wird voraussichtlich in Turin bleiben. Foto: dpa
Beide Daumen hoch für Juve. Diego wird voraussichtlich in Turin bleiben.Foto: dpa

Es mag Vorsicht gewesen sein. Oder bloß reiner Selbstschutz. Irgendwie wollte Dieter Hoeneß nie zugeben, dass er für den Brasilianer Diego sehr viel Geld geboten hat. Doch gestern musste er es zumindest indirekt bestätigen. Der Geschäftsführungs-Vorsitzende des VfL Wolfsburg räumte ein, dass der frühere Regisseur von Werder Bremen nicht nach Wolfsburg wechselt. „Wir selbst haben das Buch zugeschlagen“, berichtete Hoeneß genervt. Dass Diego dem VfL fernbleibt, kann man aber auch anders auslegen. Nach Michael Ballack (jetzt Bayer Leverkusen) ist der kleine Mittelfeldkünstler der zweite Profi der Güteklasse A, der den zahlungskräftigen Wolfsburgern die kalte Schulter zeigt.

Drei Jahre lang hatte Diego die Bremer Fans beglückt, bevor er 2009 zu Juventus Turin weiterzog. Über seine Rückkehr in die Bundesliga war seit Tagen spekuliert worden. Aber der Brasilianer und sein Vater, die als äußerst schwierige Verhandlungspartner gelten, bleiben Juve zwangsläufig verbunden. „Erst wurde Diego angeboten, dann wurde er für unverkäuflich erklärt“, sagte Hoeneß, dem die Lust auf ein solches Hin und Her offenbar vergangen ist. Für VfL-Trainer Steve McClaren hätte die Arbeit mit seinem neuen Team von vorne begonnen, wenn Diego der Wolfsburger Spielmacher geworden wäre. Dafür kehrt jetzt ein altes Problem zurück. Weil der bisherige Spielmacher Zvjezdan Misimovic seinen Arbeitgeber nicht mehr mag, hatte er bei den Wolfsburgern zuletzt nur noch eine Nebenrolle gespielt.

Misimovic, um den sich neben Schalke 04 auch Galatasaray Istanbul bemühen soll, ist vertraglich noch bis 2013 an die Wolfsburger gebunden. Aber seine Leistungen während der Saisonvorbereitung waren fast schon provokant bescheiden. Dass VfL-Boss Hoeneß den Bosnier gestern erneut als „leistungsstarken und wichtigen Spieler“ bezeichnet hat, lässt die Abhängigkeit von ihm erahnen. Solange kein ernsthafter Ersatz für den Torevorbereiter gefunden ist, muss ein tragfähiger Kompromiss her. Ob sich ein solcher ausgerechnet für das Eröffnungsspiel beim FC Bayern München noch herstellen lässt, erscheint fraglich. Als neue Alternativen zu Diego werden bereits Bryan Ruiz (Twente Enschede) und Rafael van der Vaart (Real Madrid) gehandelt. Hoeneß muss abwägen, ob er sich weitere Absagen einhandeln will oder ob er mit Misimovic in eine Saison geht, die dieser in Wolfsburg gar nicht spielen will.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben