Transfergerangel : Was kann Hertha sich noch leisten?

Hertha-Manager Dieter Hoeneß sucht in Südamerika nach neuen Verstärkungen für sein Team. Besonders interessiert ist er am brasilianischen Verteidiger Junior Cesar. Das Präsidium hat andere Pläne und möchte die Verpflichtung des Brasilianers offenbar verhindern.

Stefan Hermanns
Dieter Hoeneß
Hertha-Manager Dieter Hoeneß.Foto: ddp

Berlin - Heute, spätestens morgen wird Dieter Hoeneß in Berlin zurückerwartet. Und wenn die Nachrichten stimmen, die aus Brasilien nach Deutschland dringen, könnte es eine erfolgreiche Dienstreise für den Manager von Hertha BSC werden. Nach brasilianischen Medienberichten gestalten sich die Verhandlungen mit Junior Cesar erfreulich, der Linksverteidiger von Fluminense könnte schon in der Rückrunde für den Berliner Fußball-Bundesligisten spielen. Die größten Schwierigkeiten aber hat Hoeneß wohl nicht in Brasilien aus dem Weg zu räumen, sondern im eigenen Verein. Es ist fraglich, ob das Präsidium einer Verpflichtung des 26 Jahre alten Junior Cesar zustimmt.

Das Präsidium empfinde die Reise von Hoeneß sowie die bevorstehende Verpflichtung als Provokation, heißt es in der „Bild“-Zeitung. „Wir sind massiv irritiert, falls diese Informationen aus Brasilien stimmen, weil das mit dem Präsidium nicht abgestimmt wurde – eine Verpflichtung aber zustimmungspflichtig wäre“, wird ein nicht genanntes Präsidiumsmitglied zitiert. „Nach Rücksprache mit mehreren Mitgliedern würde das Präsidium einer Spielerverpflichtung, wofür die einfache Mehrheit notwendig wäre, zu diesem Zeitpunkt nicht zustimmen.“

Glücklich ist man im Präsidium nicht, dass derartige Aussagen an die Öffentlichkeit gelangt sind, vor allem angesichts der angespannten Situation zwischen Hoeneß und Präsident Werner Gegenbauer, die sich in der vergangenen Woche öffentlich gezofft haben und ihren Burgfrieden offenbar nur mit Mühe aufrecht erhalten: „Dass sich jemand anonym äußert – dazu fällt mir nichts ein“, sagt Gegenbauer. „Das ist unpassend, weil wir uns in der vergangenen Woche immer mit offenem Visier geäußert haben.“

Der Präsident bestreitet allerdings, dass die Reise nach Brasilien ein Alleingang des Managers sei. „Natürlich braucht er keine Genehmigung für eine Dienstreise“, sagt Gegenbauer. „Im Übrigen bin ich darüber auch informiert.“ Das Präsidium spricht Hoeneß nicht das Recht ab, nach Verstärkungen zu suchen. Das sei seine Aufgabe als Manager. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen mit dem Präsidium abgesteckt werden. Investitionen sind ab einer bestimmten Größe genehmigungspflichtig. Eine Möglichkeit, die Genehmigung zu bekommen, besteht bei der Präsidiumssitzung am kommenden Dienstag.

Die Frage ist, ob sich das Präsidium in der Lage sieht, die Ausgabe zu genehmigen. Bei der Risikoabwägung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Gegenbauer hat schon in der vergangenen Woche die Vorstellungen des Managers indirekt als unrealistisch bezeichnet: „Es wird über Vertragsverlängerungen von Arne Friedrich, Marko Pantelic und Andrej Woronin geredet und über einen neuen Spieler für die Außenbahn. Ich sage: Alles geht nicht!“

Nachdem Hertha die Schulden in den vergangenen beiden Jahren reduziert hat, steht der Verein finanziell zwar besser da; zudem hat Hoeneß die vor der Saison genehmigten neun Millionen Euro für Neuverpflichtungen noch nicht ausgeschöpft. Allerdings gibt es für die nähere Zukunft einige Unwägbarkeiten. Die Einnahmen aus dem neuen Fernsehvertrag fallen niedriger aus als veranschlagt; und auch die Folgen der Finanzkrise auf den Fußball kann noch niemand richtig einschätzen. Das Präsidium plädiert daher für eher konservatives Wirtschaften. Vor allem angesichts der Erfahrung, wie heikel die Lage für Hertha noch vor zwei Jahren war. Eine ähnliche Situation will das Präsidium nicht noch einmal erleben.

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