Sport : Transfermarkt: bis ein Verrückter im Gefängnis sitzt

Martin Hägele

Als vergangene Woche im EM-Quartier Knokke das Handy von Pavel Nedved klingelte und Lazio-Präsident Sergio Cragnotti dran war, ahnte der Star der Tschechen sofort, dass es sich wieder um die Preisfrage drehen werde. Manchester United habe 60 Millionen Mark geboten, jetzt müsse man sich wohl langsam unterhalten mit den Engländern.

Vier Wochen zuvor hatte sich aus London der FC Chelsea wegen Nedved gemeldet, da hatte es Cragnotti schon gar nicht zu einem längeren Gespräch kommen lassen: "50 Millionen Mark nur - viel zu wenig für einen Klassemann wie Nedved." Seither hat der 27-jährige Offensivspieler nur noch aus den italienischen Zeitungen Näheres über seine Zukunft erfahren. Dort wird der Klub-Patron mit der Aussage zitiert: "Drei Leute bei Lazio sind unverkäuflich: Nesta, Veron und Nedved".

Selbst ein Supermann der Extraklasse kann seine Bühne nicht mehr wählen. Mittlerweile bestimmen Klubbosse wie Cragnotti den Transfermarkt. Weil der ehrgeizige Signor nach dem Titel zum hundersten Jubiläum auch die Champions-League-Trophäe in seiner Klubvitrine hoben will, wozu er die allerbesten Spieler braucht, sitzen nun in fast allen Top-Klubs die Asse wie auf dem Karussell. Cragnotti möchte unbedingt den Portugiesen Figo und ist bereit, an den FC Barcelona die festgeschriebene Ablösesumme von 116 Millionen Mark zu bezahlen. Figo möchte auch, zwölf Millionen Mark netto pro Jahr wären sein Weltrekordgehalt. Doch auch Barca würde Figos Gage entsprechend aufstocken, und versucht Lazios Unterhändler mit einer internationalen Schutzklausel zu erschrecken. Die 116 Millionen Mark gelten nur für den Binnen-Transfer; ausländische Klubs müssten das Doppelte bezahlen. Das Geschacher um Portugals Spielgestalter und Goalgetter wird wohl die EM überdauern.

Können sich die andern überhaupt wehren gegen diese Spirale? Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß glaubt, dass man nur warten muss, bis "dieser Verrückte den totalen Crash baut und im Gefängnis sitzt". Cragnotti schmeißt ja nicht mit eigenem Geld nach seinen Stars, sondern mit dem der Aktionäre. Und er unterliegt der Kontrolle und den Gesetzen der Börse. Doch auch Hoeneß vermag nicht auszuschließen, dass sich die vernünftigen Kollegen in Italien anstecken lassen vom vermeintlichen Hasardeur Cragnotti. Wenigstens weiß Deutschlands Manager des Jahres dann, ob sich das Arbeitsessen unlängst gelohnt hat, bei dem sich die Vertreter vom FCB, Juve, Milan, Inter und Real versprochen haben, die Gehälter einzufrieren.

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