Transfermarkt : Hertha bastelt weiter

Gestern stieg Fabian Lustenberger bei der Hertha ein - morgen kommt Steve von Bergen.

Peter Birrer[Zürich],Michael Rosentritt
Bergen Foto: dpa
Hart am Mann: Der Schweizer Steve von Bergen soll die Hertha verstärken. -Foto: dpa

Nach seinem ersten Training steuerte Fabian Lustenberger auf einen Zuschauer im Rollstuhl zu, der sich das Fußballtennis der Hertha-Profis angeschaut hatte. Fabian Lustenberger ging in die Knie vor dem Rollstuhlfahrer, ließ sich mit ihm ablichten und stand anschließend ein paar aufgeregten Mädchen für Handyfotos zur Verfügung. „Alles, was ich bisher über ihn sagen kann, ist, dass er wohl ein recht umgänglicher Typ ist.“ Das sagte gestern Malik Fathi, Herthas Nationalspieler aus der Verteidigung. „Bisher hatte mir sein Name nichts gesagt.“

Malik Fathi dürfte nicht der einzige Fußballinteressierte in Berlin sein, dem es so geht. Herthas Neuverpflichtung aus der Schweiz ist 19 Jahre jung und außerhalb der Alpen nahezu unbekannt. Am vergangenen Wochenende wurde der Mittelfeldspieler beim FC Luzern offiziell verabschiedet. Knapp 1,8 Millionen Euro hat er gekostet. Seinen wahren Wert konnte der schmale Lustenberger gestern noch nicht zeigen. Aber es ist durchaus möglich, dass er kommenden Samstag im Olympiastadion gegen Stuttgart zum Einsatz kommt. „Ich habe schon drei Meisterschaftsspiele in den Beinen. Mein Fitnesszustand ist sehr gut“, sagte der Schweizer gestern. Und schon morgen erwartet der Berliner Bundesligist einen weiteren Neuzugang aus der Schweiz. Er heißt Steve von Bergen.

Steve von Bergen wird aus seinem beim FC Zürich bis 2010 befristeten Vertrag herausgekauft. Am Montag hatte Herthas Manager Dieter Hoeneß ein Kaufangebot für den 24 Jahre alten Innenverteidiger abgegeben. Im Vertrag von Bergens ist eine Ausstiegsklausel fixiert: Für über eine Million Franken darf der Westschweizer den Klub verlassen. Hertha wird demnach 1,5 Millionen Euro bezahlen.

Bisher bildete von Bergen beim FC Zürich zusammen mit dem Finnen Hannu Tihinen ein stabiles Duo, das stabilste der Schweizer Super League. Nach seinem Wechsel 2005 von Neuchâtel Xamax nach Zürich ist von Bergen auf Anhieb zweimal Meister geworden. Noch am Montag gab er sich äußerst zurückhaltend – und irgendwie trotzdem vielsagend: „Im Moment habe ich nur die Partie gegen Besiktas im Kopf. Doch ich weiß, wie schnell im Fußball alles gehen kann.“ Die Berliner bestätigten bereits den Transfer. „Wir sind uns mit dem Spieler einig. Er wird am Donnerstag kommen“, sagte Hoeneß gestern. An diesem Tag wird der 24-Jährige in Berlin erwartet und soll einen Dreijahresvertrag unterschreiben.

Am Wochenende suchte der FC Zürich, der ehemalige Verein von Herthas Trainer Lucien Favre, die Ruhe in Feusisberg, hoch über dem Zürichsee, um sich gezielt auf den Mittwochabend vorzubereiten. Im Quartier, in dem gewöhnlich die Schweizer Nationalmannschaft absteigt, sollte Besiktas Istanbul das einzige Thema sein, die Mannschaft, welche die Zürcher auf dem Weg in die Champions League zu bezwingen haben. Nur, richtig Ruhe kehrt um den FCZ nicht ein.

Wenig Freude an den Vorgängen hinter den Kulissen hat Zürichs Sportchef Fredy Bickel. Hertha buhlt weiterhin heftig um den brasilianischen Stürmer Raffael, der beim FCZ einen Vertrag bis 2011 besitzt. Die Empörung, dass sich rund um das so wichtige Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Besiktas die Meldungen jagen, wonach mehr als nur ein Züricher bald zu Hertha wechseln sollen, nerven die Vereinsführung. „Das Fass ist am Überlaufen“, sagte Bickel und schickte schon mal einen Gruß in die deutsche Hauptstadt: Bei dem immer stärker belasteten Klima zwischen den zwei Vereinen könne es kein Thema sein, auch Raffael abzugeben.

Fabian Lustenberger hat derzeit andere Sorgen: „Jetzt begebe ich mich erst einmal auf Wohnungssuche.“

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