Transfermarkt : Ich will dann mal weg

Wenn Fußballprofis den Verein wechseln wollen, sind die Klubs oft machtlos: Die Spieler werden richtig kreativ, wenn es darum geht, ihre Verträge nicht erfüllen zu müssen. Jüngste Beispiele: Edin Dzeko, Demba Ba und Jefferson Farfan.

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Verkündete in Peru, nicht mehr für Schalke aufzulaufen: Jefferson Farfan.
Verkündete in Peru, nicht mehr für Schalke aufzulaufen: Jefferson Farfan.Foto: dpa

Dietmar Hopp kann auf ein überaus erfolgreiches Berufsleben zurückblicken. Er hat den Softwarekonzern SAP zu einem Global Player aufgebaut, und sein privates Vermögen wird nicht in Millionen, sondern in Milliarden bemessen. Solche Karrieren entstehen nicht aus dem Nichts, und trotzdem hat sich der Multi-Mäzen Hopp offenbar eine erstaunliche Naivität bewahrt. Als der Geldgeber des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim jetzt von der „Bild“-Zeitung mit der Nachricht konfrontiert wurde, dass Stürmer Demba Ba in einen Trainingsstreik getreten ist, hat er ganz erstaunt und entrüstet getan: „Ich verstehe das nicht. Demba weiß, dass er Vertrag hat und nicht einfach weg kann.“

Kurz vor Weihnachten hat Hopp das mit dem Vertrag noch nicht ganz so genau genommen. Da tauchte Luiz Gustavo nach dem Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach unangemeldet bei ihm auf und bat um die sofortige Zustimmung für einen Wechsel zum FC Bayern München. Und siehe da: Hopp zeigte sich gnädig. Diese Chance könne man dem Brasilianer doch nicht verbauen. Dummerweise hat Hopp damit nicht nur seinen Trainer Ralf Rangnick vergrault, sondern auch einen Präzedenzfall geschaffen, auf den sich nun Demba Ba beruft. Der Senegalese streikt. Er hat schon beim Fitnesstest gefehlt und verweigert nun die Anreise ins Trainingslager. Offenbar will Ba auf diese Weise einen Wechsel ins Ausland forcieren, nachdem die TSG seinen Transfer zum VfB Stuttgart vor anderthalb Jahren noch erfolgreich unterbunden hatte.

Bas Verhalten ist kein Einzelfall. Die Bundesliga erlebt gerade in signifikanter Häufung, welchen Wert Arbeitsverträge besitzen: so gut wie keinen. Die Profis messen ihnen allenfalls empfehlenden Charakter bei – und erweisen sich als äußerst einfallsreich, wenn sie die Bindung an ihren Arbeitgeber zu lösen gedenken. Sie betteln, streiken, mosern oder schwänzen einfach. Die Vereine müssen das alles nahezu machtlos über sich ergehen lassen.

Bestes Beispiel ist Edin Dzeko. Die Möglichkeit, den VfL Wolfsburg vor Ablauf seines Vertrags im Sommer 2013 zu verlassen, war eindeutig geregelt. Für eine kräftige Gehaltserhöhung hatte der Bosnier der Klausel zugestimmt, dass er nur in der kurzen Spanne zwischen Saisonende und dem 31. Mai wechseln kann, und zwar für die festgeschriebene Ablöse von 40 Millionen Euro. Dzeko hat das nicht davon abgehalten, einen Transfer auch in den restlichen knapp 50 Wochen des Jahres zu forcieren. Gestern flog er nach England, um die letzten Details seines Wechsels zu Manchester City zu klären. Der VfL hat offenbar genug von dem ständigen Gejammer. Die Gefahr, dass die miese Laune des Stürmers in der Rückrunde auf die gesamte Mannschaft abfärbt, haben die Wolfsburger Verantwortlichen wohl als größer erachtet als den sportlichen Verlust.

Darauf setzt anscheinend auch Jefferson Farfan, dessen Vertrag beim FC Schalke noch bis 2012 läuft. Dass der Peruaner gestern beim Abflug ins Trainingslager in der Türkei unentschuldigt fehlte, kam nicht überraschend. Farfan hat es auch früher mit dem offiziellen Trainingsbeginn nie ganz so genau genommen. Diesmal aber scheint sein Nicht-Erscheinen grundsätzlicher Natur zu sein. In seiner Heimat kündigte er im Fernsehen an: „Ich verlasse Schalke. Ich kehre nur nach Deutschland zurück, um mich bei Professor Felix Magath abzumelden. Ich habe ein konkretes Angebot eines anderen Klubs, bei dem ich mich verbessern kann.“ Schalkes Trainer Magath reagierte zurückhaltend auf diese Drohung: „Es hat sich abgezeichnet, dass Farfan heute nicht da ist. Aber ich gehe davon aus, dass er nachreist.“ Am Mittwochabend traf der Peruaner schließlich im Mannschaftsquartier in Belek ein.

Dass es noch eine gemeinsame Zukunft gibt, ist unwahrscheinlich. Die Erfahrung lehrt eher, dass es für Schalke jetzt nur noch darum geht, möglichst viel Geld für Farfan herauszuschlagen.

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