Sport : Transfers im Profifußball: Ein Kompromiss, mit dem alle leben können - fast alle

Stefan Hermanns

Seit einem Dreivierteljahr bereits beschäftigt der Streit um ein neues Transfersystem im europäischen Profifußball die Öffentlichkeit. Spätestens Ende Februar soll dieses Thema nun erledigt sein. Zumindest für die EU-Kommission. Die hat jetzt genug von den ständigen Verhandlungen und Vertagungen und den Fußballverbänden Uefa und Fifa gestern eine Frist gesetzt. Sollte in den nächsten beiden Wochen kein Kompromiss gefunden sein, könnte die EU-Kommission die Regeln des Weltverbandes Fifa für rechtswidrig erklären. Dann gälte in Transferfragen das jeweilige nationale Arbeitsrecht. Im Kern geht es in diesem Streit darum, ob Fußballprofis wie normale Arbeitnehmer mit einer gesetzlichen, also dreimonatigen Kündigungsfrist aus ihren Verträgen aussteigen können.

Ursprünglich wollten die Vertreter von Fifa, Uefa und der internationalen Spielergewerkschaft Fifpro der EU-Kommission am heutigen Freitag ein Konsenspapier als Grundlage für die weiteren Verhandlungen vorlegen. Dieses Papier ist jedoch von der so genannten G 14, der Vereinigung der 14 finanzstärksten europäischen Fußballvereine, abgelehnt worden. Die G 14 wehrt sich vor allem gegen zwei Punkte dieser Vereinbarung. Sie besteht darauf, dass bei Verträgen mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren kein ordentliches Kündigungsrecht besteht. Das Konsenspapier sieht zwei davon abweichende Regelungen vor: Spieler bis 27 Jahre können Verträge erst nach drei Jahren ordentlich kündigen. Wer älter ist, hat jederzeit ein Recht auf ordentliche Kündigung.

Michael Preetz, der Vizepräsident der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV), hält die Altersunterscheidung für "nicht sonderlich einleuchtend". Insgesamt aber könne sich die VdV in groben Zügen mit dem Konsenspapier anfreunden. Es sei "nicht der Weisheit letzter Schluss", sagte der Kapitän von Hertha BSC gestern bei einer Pressekonferenz der Spielergewerkschaft in Berlin. "Aber für uns ist wichtig, dass man das große Ganze im Blick hält." Soll heißen: "die wirtschaftliche Planungssicherheit für alle Beteiligten", für Spieler und Vereine. Nach Vorstellung der VdV sollte ein Vertrag in den ersten beiden Jahren nicht gekündigt werden können, danach wäre die Aufhebung für beide Seiten mit ordentlicher Kündigungsfrist möglich, "bei gegenseitiger Entschädigung", wie Preetz sagte.

Zweiter großer Streitpunkt aus Sicht der G 14 ist der Vorschlag, dass Spieler ihren Vertrag auflösen können, wenn sie in einer Saison weniger als 15 Prozent der Pflichtspiele ihres Vereins bestritten haben. Die Vereinigung der europäischen Spitzenklubs hat angekündigt, notfalls gegen diesen Passus zu klagen, und trifft mit ihrem Widerstand unter den Bundesligaklubs auf großes Verständnis. In einer Umfrage der Fachzeitschrift "Kicker" gaben 17 der 18 Vereine an, sie würden sich einer Klage anschließen. "Ich bekäme Magenkrämpfe", sagte Reiner Calmund, der Manager von Bayer Leverkusen. Auch VdV-Verbandsanwalt Frank Rybak lehnt die Regelung ab. Er sieht die Gefahr, dass Spieler nur deshalb aufgestellt werden, damit sie die notwendige Anzahl an Pflichtspielen erreichen, dass andererseits Profis ihren Einsatz mit vorgetäuschten Verletzungen verhindern könnten, um ablösefrei den Verein zu wechseln.

"Wir finden das Konsenspapier auch nicht optimal", sagte VdV-Geschäftsführer Ernst Thoman. "Aber alle können damit leben. Daran geht kein Verein kaputt." Für ihn ist es daher umso unverständlicher, dass die G 14 "in dem Moment, wo der Konsens greifbar ist, so eine harte Linie fährt". Er vermutet tiefere Ursachen: "Im Milliardenkampf um die Gestaltung der Champions League hat es vor zweieinhalb Jahren schon mal einen Erpressungsversuch gegeben", sagte Thoman. Damals wollte die G 14 eine Europaliga einführen. Die Uefa kam diesem Wunsch mit der Einrichtung der Champions League in der jetzigen Form weit entgegen. Vielleicht hofft die G 14 nun, diese Methode könnte ein zweites Mal erfolgreich sein: "Es geht möglicherweise um die Europaliga", sagte Thoman.

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