Sport : Transfersystems: Gipfel beim Kanzler

Der Kanzler ruft und empfängt am 28. September die Fußball-Prominenz: Die führenden Vertreter des deutschen Profifußballs sind am Donnerstag kommender Woche im Rahmen eines Abendessens zu einem Gedankenaustausch bei Regierungs-Chef Gerhard Schröder und Innenminister Otto Schily nach Berlin geladen. An dem Gipfel nehmen auch DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Bayern-Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge, Bayern-Manager Uli Hoeneß, Wolfgang Holzhäuser (Bayer Leverkusen) und Rudi Assauer (Schalke 04) sowie Bremens Bildungssenator Willi Lemke, Ex-Manager von Werder Bremen, teil.

Es geht vorrangig um die von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti geplante Reform des Transfersystems mit der einschneidenden Maßnahme der Abschaffung der Ablösesummen und der Einführung eines außerordentlichen Kündigungsrechts für Profis. Dagegen laufen die Vereine Sturm. Inzwischen nimmt sich auch die Politik des Themas an. Im britischen Premierminister Blair hat der Kanzler einen gleichgesinnten Mitstreiter gefunden. Nachdem der Sport in den Europäischen Verträgen bislang nie erwähnt worden ist, scheint Einigkeit darüber zu herrschen, dass Sport nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Kulturgut ist und damit nicht nur die Wettbewerbsregeln des freien Marktes Anwendung finden können. Es gilt, die Bedürfnisse des Fußballs in politische Formeln zu kleiden, damit die Millionäre in kurzen Hosen nicht mit Stahlarbeitern im Blaumann gleichgestellt werden müssen.

Bereits am kommenden Montag (25. September) reist eine Abordnung der "G14" - ein Zusammenschluss der bedeutendsten Klubs Europas - nach Brüssel, um mit Monti die Problematik zu besprechen. Der G14-Abordnung gehört Rummenigge als Vertreter des deutschen Rekordmeisters an. Außerdem sind Abgesandte von Real Madrid, des AC Mailand und von Ajax Amsterdam bei dem Meeting dabei. Am Donnerstag hatte Monti in Brüssel elf Vertreter von europäischen Ligen, darunter auch Mayer-Vorfelder, empfangen.

Aber auch die Klubs machen massiv mobil. Die Vereine sind empört, dass der Weltverband Fifa seit Dezember 1998 eine Aufforderung zur Stellungnahme auf dem Tisch liegen hat, dies aber offensichtlich auf die lange Bank schob. Deshalb macht die EU jetzt Druck und setzt Ultimaten. Eine erste Frist wurde von Mitte September auf 31. Oktober verlängert.

Außerdem passt es den Klubs nicht, dass die Fifa offensichtlich zu Kompromissen neigt, welche auf Kosten der Vereine in ihrer Rolle als Arbeitgeber gehen. In der Fifa sind nur die Verbände organisiert, nicht die Profiklubs. Die Vereine fühlen ihre Interessen nicht hinreichend vertreten und befürchten, noch mehr Macht an die Spieler zu verlieren. DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder: "Zehn Spieler könnten sagen, ich gehe, dann muss der Sportliche Leiter mit diesen, aber auch mit zehn Neuen verhandeln." Die Vereine wären noch erpressbarer als zurzeit. Monti mahnte vor dem Treffen mit den Klubs eine "Versachlichung" der Diskussion an.

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