Sport : Traue keiner roten Ampel

Warum dem Italiener Fisichella nachträglich der Erfolg beim Formel-1-Grand-Prix in São Paulo zugesprochen wird

Hartmut Moheit

Berlin. Ab sofort zählt auch der Italiener Giancarlo Fisichella zu den Formel-1-Fahrern, die auf mindestens einen Grand-Prix- Sieg verweisen können. Nachdem er es bereits als Gerücht erfahren hatte, bestätigte ihm Teamchef Eddie Jordan nun auch offiziell, dass der Internationale Automobilverband (Fia) in Paris das Ergebnis vom vergangenen Sonntag in Brasilien korrigiert hat. „Dass ich den Sieg noch bekommen habe, freut mich. Aber ich bin trotzdem traurig, dass ich den Erfolg nicht gebührend auf dem Podium feiern konnte", sagte Fisichella.

Nach dem Abbruch des Rennens war zunächst Kimi Räikkönen, der Pilot von McLaren-Mercedes, als Gewinner verkündet worden, Fisichella rangierte nach seinem 110. WM-Lauf nur an zweiter Stelle. Eine von vorne herein zweifelhafte Entscheidung von Charlie Whiting hatte dazu und zum anschließenden Protest des Jordan-Teams geführt. Als von der Fia offiziell eingesetzter Renndirektor und Sicherheitsbeauftragter obliegt es ausschließlich dem Briten, einen Grand Prix vorzeitig zu beenden. Wenn Whiting auf den Knopf drückt, dann stehen in der Formel 1 alle Ampeln auf Rot. Wie am Sonntag, beim vom Start an chaotisch verlaufenden WM-Lauf in São Paulo, als Whiting von seinem Recht Gebrauch machte.

Eine Serie von Unfällen zwang den 50-Jährigen dazu, und im gelben Jordan-Team brach sofort der Jubel aus. Zu diesem Zeitpunkt, der 56. Runde, lag ihr Giancarlo Fisichella an der Spitze, nachdem er in der 54. Runde den Finnen Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes überholt hatte. Da das Fia-Reglement für den Fall des Rennabbruchs vorschreibt, dass dann der Stand zwei Runden vor Abbruch für die Endplatzierung zählen muss, sprach alles für Fisichella. Nur, laut Fia-Aussage sollte Fisichella sich bei Abbruch noch in der 55. Runde befunden haben, und damit wäre die 53. Runde, als er hinter Räikkönen gelegen hatte, endscheidend gewesen. Die Aufnahmen des brasilianischen TV-Senders „Globo“ brachten den Beweis, dass Fisichellas Jordan bereits die Ziellinie überquert hatte, als die Ampeln rot wurden. „Es ist schön, dass man schon am Freitag erfährt, wie viele Runden man am Sonntag zuvor gefahren ist“, kommentierte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Erstmals in der Geschichte einer Formel-1-WM hat die Fia ein Rennergebnis aus einem selbst verschuldeten Grund revidieren müssen. Bisher passierte das nach Reglementverstößen der Teams oder Fahrer. Vor allem das Unternehmen Tag-Heuer, das für die Zeitmessung in der Formel 1 zuständig ist und dessen Werte den Beginn der 56. Runde für Fisichella hätten anzeigen müssen, und Whiting, kommen damit in die Kritik. Wenn Whiting nur r Sekunden später die Ampeln auf Rot geschaltet hätte, wäre Fisichella die Ungerechtigkeit erspart geblieben. Die Fia will den Vorfall intern untersuchen.

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