Trauer im Breisgau : Achim Stocker: Freiburg verliert seine gute Seele

Achim Stocker, der Präsident des SC Freiburg, ist mit 74 Jahren gestorben.

Uwe Rogowski
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Achim Stocker.Foto: dpa

Er wurde Präsident des SC Freiburg, als Willy Brandt noch Bundeskanzler war. Achim Stocker führte den südbadischen Fußballklub 37 Jahre lang – gestern ist der dienstälteste Klubchef im deutschen Profifußball verstorben. „Wir haben die Nachricht eine Minute vor dem Abpfiff erhalten. Sie hat uns geschockt und erfüllt uns mit tiefer Trauer", teilte Vereinssprecher Rudi Raschke nach dem Bundesligaspiel gegen Hoffenheim mit. Stocker erlag den Folgen eines Herzinfarkts, er wurde 74 Jahre alt. „Achim Stocker war ein hochkompetenter Mann, der sich über Jahrzehnte in vorbildlicher Manier für seinen Verein engagiert und Großartiges erreicht hat“, erklärte Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes. „Er hat stets eine klare Linie verfolgt und auf sein Wort war immer Verlass.“

Der Sportclub war für den gebürtigen Konstanzer eine Herzensangelegenheit. Mit hohem Einsatz führte er den Verein, von dessen Vereinsgelände er nur 50 Meter entfernt wohnte. Auch als der Oberfinanzdirektor im Ruhestand gesundheitlich schon angeschlagen war, zog es ihn jeden Morgen in sein Büro, wo er „nach dem Rechten sehen und vielleicht ein paar Sachen unterschreiben“ wollte. Aus dem operativen Geschäft hatte er sich mehr und mehr zurückgezogen, alle wichtigen Entscheidungen gingen aber weiterhin über seinen Tisch. Nur ins Stadion ging er nicht. Weil Stocker seit vielen Jahren an einer schweren Herzerkrankung litt, verfolgte er die Spiele nur zu Hause per Videotext.

Stocker führte den Verein durch dick und dünn, früher zuweilen auch etwas cholerisch und ungeduldig. Da flogen die Trainer fast im Halbjahrestakt – manchmal nur weil die Telefonrechnungen zu hoch ausfielen. „Es waren auch wirklich komische Vögel dabei. Einer verhandelte mit mir zum Beispiel über eine Badewanne aus Marmor“, erinnerte sich der SC-Vorsitzende. Auf die Finanzen hatte er stets ein strenges Auge. Erst zur Zeit des ersten Aufstiegs 1993 willigte er ein, einen Anrufbeantworter für die Geschäftsstelle anzuschaffen. Heute gilt der SC Freiburg als finanziell gesunder Verein.

Stockers wohl größter Coup war die Verpflichtung von Volker Finke. Mit dem Coach spielte der SC zehn Jahre in der Bundesliga und zog sogar zweimal in den Uefa-Cup ein. Als die Trennung mit dem Trainer vollzogen wurde, stand der SC vor einer Zerreißprobe, und es war Stockers Verdienst, dass der Verein diese schadlos überstand. Stocker war authentisch, eine ehrliche Haut, der sich nicht verstellen wollte. Immer war er ansprechbar und hatte Probleme damit, sich für die Öffentlichkeit zu verbiegen. Achim Stocker war die gute Seele des SC Freiburg. Der Verlust des Präsidenten Stocker könnte für den südbadischen Klub schwerer zu verkraften sein, als vor zweieinhalb Jahren die Trennung von Volker Finke.

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