Trauerfeier : Bewegender Abschied von Skisprung-Trainer Heß

Wie bei einem Staatsbegräbnis: Rund 1000 Trauergäste aus dem In- und Ausland erwiesen Reinhard Heß in Suhl die letzte Ehre. Er trainierte unter anderem die Skisprung-Stars Sven Hannawald, Martin Schmitt und Jens Weißflog.

Uwe Jentzsch,Gerald Fritsche
Hess
In Suhl trauern Hunderte um Reinhard Heß. -Foto: dpa

SuhlBei einer bewegenden Trauerfeier würdigten fast die komplette Führung des Deutschen Skiverbandes (DSV), Mitglieder der thüringischen Landesregierung mit Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) an der Spitze sowie langjährige Weggefährten, Sportler und Freunde den am Heiligabend an einem Krebsleiden verstorbenen früheren Skisprung-Bundestrainer. Die Beisetzung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis.

In einer von den Bergfreunden Schmalkalden musikalisch umrahmten Zeremonie bezeichnete der Ministerpräsident Heß als "Thüringer mit Welterfolg, dem wir sehr viel zu verdanken haben". DSV-Vizepräsidentin Sabine Reuß, zugleich Präsidentin des Thüringer Skiverbandes, beschrieb ihn als kantigen, nie stromlinienförmigen Typen mit Führungsqualitäten und Überzeugungskraft. "Er war einer der ganz wenigen Trainer, die bereits zu Lebzeiten eine Legende waren, ein Leitwolf für die sensiblen Skisprung-Stars. Der DSV wäre ein anderer ohne die Erfolge seiner Skispringer", sagte Reuß.

Ein Erfolg jagte den Nächsten

Unter der Regie von Heß, der sich als Integrationsfigur bei der Zusammenführung von Ost und West hervortat, gewannen die Springer Mannschafts-Gold bei Olympia 1994, wurde Jens Weißflog im "zweiten Frühling" im gleichen Jahr Einzel-Olympiasieger. Dazu kamen der Team-Olympiasieg 2002, die beiden WM-Titel mit dem Team 1999 und 2001, Martin Schmitts Einzelsiege bei den beiden Weltmeisterschaften sowie der historische Vierschanzentournee-Erfolg von Sven Hannawald, der 2002 als bisher einziger Springer alle vier Konkurrenzen beim Grand Slam der Skispringer gewinnen konnte. Ergänzt wird die Erfolgsstory durch zwei Skiflug-Weltmeistertitel von Hannawald sowie insgesamt 21 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Im Kreis der Trauergäste hatten sich fast alle Helden von einst versammelt. "Er hat eine solche Ausstrahlung und Autorität gehabt und war trotzdem ein liebenswürdiger Mensch. Er hat Durchblick und Weitblick gehabt. Ich habe viel von ihm gelernt und profitiert", sagte Schmitt. Und Michael Uhrmann ergänzte: "Die Jahre mit ihm haben mich und alle, die dabei waren, als Mensch geprägt. Obwohl wir seit zwei Jahren wussten, dass er der Krankheit irgendwann nicht mehr trotzen kann, war es trotzdem ganz schön hart, als wir erfuhren, dass es soweit ist."

Skisprung-Gemeinde trauert

Schmitt Hannawald
Auch die Skisprung-Stars Martin Schmitt (i.) und Sven Hannawald nehmen Abschied. -Foto: ddp

Die Olympiasieger Weißflog, Hannawald, Schmitt und Michael Uhrmann gehörten ebenso zu den Trauernden wie die aktuelle Skisprung-Nationalmannschaft mit Bundestrainer Peter Rohwein an der Spitze. Anwesend waren auch frühere Spitzenspringer wie Rainer Schmidt, Horst Queck und der erste internationale Medaillengewinner unter Heß, Axel Zitzmann. Für den Weltskiverband FIS gab der Renndirektor Skisprung, Walter Hofer, dem Verstorbenen das letzte Geleit.

Auch der frühere Assistent und Heß-Nachfolger als Bundestrainer, Wolfgang Steiert, sowie der österreichische Skisprung-Chef Paul Ganzenhuber waren nach Suhl gekommen. Zu Vertretern anderer Sportarten gehörten der dreimalige Olympiasieger in der Nordischen Kombination, Ulrich Wehling, Rodel-Olympiasiegerin Margit Schumann und Langlauf-Weltmeister Gerhard Grimmer. (imo/dpa)

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