Sport : Trauerspiel

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Von Frank Bachner

Berlin. Fred Blankemeyer kennt keine genauen Zahlen, vielleicht will er sie einfach auch nicht sagen. Aber eines wusste der Pressesprecher von Feyenoord Rotterdam gestern Nachmittag: „Es würde ein großer Schaden entstehen, wenn das Spiel abgesagt wird, finanziell und auch sonst. Es kommen ja viele Fans aus Deutschland.“ Mehrere tausend, genauer gesagt, so viele wollen zum Uefa-Cup-Endspiel zwischen dem Deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund und Feyenoord Rotterdam nach Rotterdam kommen (Mittwoch, 20 Uhr 45). Sie kommen nicht vergeblich. Das Spiel findet definitiv statt, trotz der Ermordung des rechtspopulistischen Politikers Pim Fortuyn am Montag in Rotterdam. „Das Spiel wird nicht abgesagt“, verkündete gestern am späten Nachmittag Rotterdams Bürgermeister Ivo Opstelten. Allerdings wird auf alle Feierlichkeiten am Rande der Partie verzichtet. „Es soll ein nüchternes Spiel werden“, verkündete Opstelten laut einer Meldung des Sportinformationsdienstes.

Ende eines langen Entscheidungsprozesses. Denn das Spiel stand gestern lange auf der Kippe, die Stadt Rotterdam überlegte sich, es ganz einfach abzusagen. Zu groß ist der Schock nach dem Attentat. Die Uefa freilich, der europäische Fußball-Verband, Veranstalter der Partie, blieb hart. „Wir können nicht jedes Mal ein Spiel absagen, wenn etwas Schreckliches passiert“, sagte Irene Robadey von Uefa-Zentrale in Nyon. „Vor wenigen Tagen explodierte vor dem Spiel Real Madrid gegen den FC Barcelona eine Autobombe. Da wurde anschließend auch gespielt.“

Den ganzen Tag über diskutierten Verein, Uefa-Vertreter, Polizei und Bürgermeister Ivo Opstelten über die beste Lösung. Es geht ja nicht bloß um die Pietät, es geht auch um die öffentliche Sicherheit. Die niederländischen Hooligans gelten als extrem gewalttätig, und schon in der Nacht zum Dienstag gab es Straßenschlachten zwischen Anhängern von Fortuyn, die zugleich Feyenoord-Fans sind, und der Polizei. Feyenoords Präsident Jorien van den Herik ist noch immer geschockt. „Das Spiel ist im Moment absolut zweitrangig“, wird er im Sportinformationsdienst zitiert.

Gestern stellte sich allerdings auch die Frage, wer denn das letzte Wort hatte. Die Uefa als Veranstalter? Der Bürgermeister von Rotterdam? „Das ist eine strittige Frage“, sagte Uefa-Mediendirektor Robert Faulkner. Auf jeden Fall kannte er keinen Ausweichtermin für die Finalpartie. Er kannte auch keinen Fall, in dem ein Endspiel mal abgesagt wurde. Kaum vorstellbar allerdings, dass die Uefa hart geblieben wäre, wenn die Polizei eine Absage empfohlen hätte.

1500 Polizisten sind im Einsatz. Die werden wohl auch gebraucht. Die Dortmunder Fans dürfen aus Sicherheitsgründen zum Beispiel nicht in das Stadtzentrum. Sie müssen sich im Süden der Stadt auf das Spiel einstimmen. Problematischer werden aber wohl die niederländischen Fans. Am Sonntag zum Beispiel konnte die Polizei Anhänger von Ajax Amsterdam nur mit Tränengas und Wasserwerfern in Schach halten.

Für Feyenoord-Presssprecher Blankemeyer wären die Hooligans aber kein Grund für eine Absage gewesen. Sicher, vor sechs Jahren wurde mal ein Spiel der holländischen Ehrendivision verlegt, Feyenoord gegen Eindhoven. „Aber doch bloß, weil nach einem heftigen Regen der Platz unter Wasser stand.“

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