Sport : Traum von großen Zeiten

Jena will an einem Jubiläumstag aufsteigen

Matthias Koch

Jena - In Lübeck werden heute mehr als 1000 Fans des FC Carl Zeiss Jena einfallen. Das Spitzenspiel der Regionalliga Nord ist für beide Teams ein Aufstiegsfinale. Mit einem Sieg könnten die Thüringer den sensationellen Durchmarsch in die Zweite Liga perfekt machen. Drei Spieltage vor Schluss liegt die Mannschaft auf Platz zwei, sechs Punkte vor dem Dritten VfB Lübeck. Für Jena gäbe es keinen besseren Tag, um nach achtjähriger Abwesenheit in die zweithöchste Spielklasse zurückzukehren. Heute genau vor 25 Jahren, am 13. Mai 1981, feierte der Traditionsklub mit dem Einzug ins Europacup-Finale der Pokalsieger den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. „Es war die bitterste Niederlage meiner Karriere“, sagt der damalige Coach Hans Meyer, wenn er auf das 1:2 gegen Dynamo Tiflis angesprochen wird.

Den Siegeszug bis ins Finale konnten seinerzeit nicht einmal Teams wie AS Rom (Hinspiel 0:3/Rückspiel 4:0), FC Valencia (3:1/0:1) oder Benfica Lissabon (2:0/0:1) aufhalten. In der Gegenwart interessiert das die Verantwortlichen in Jena wenig. „Die alten Zeiten haben uns immer verfolgt. Wir konnten frühere Erfolge nicht ins Positive ummünzen“, sagt Trainer Heiko Weber.

Weber hat für Jena im Europacup, der Zweiten Bundesliga und Regionalliga gespielt. Er erzielte am 25. Mai 1991 mit dem 2:0 in Cottbus das letzte Tor der DDR-Oberligageschichte. Als Trainer ist er ein Erfolgsgarant: 2004 führte er die A-Junioren in die Bundesliga, 2005 die Männer in die Regionalliga. Nun klopft er an die Tür zur Zweiten Liga. Im WM-Jahr wurde in der Regionalliga kein einziges Spiel verloren, in den jüngsten sechs Partien gab es nicht mal ein Gegentor. „Wir genießen die Situation“, sagt Weber. „In der Stadt herrscht riesige Euphorie.“ Der Zuschauerschnitt ist auf über 5000 Besucher pro Spiel angestiegen.

Vor einem Jahr kickte der dreifache DDR-Meister noch in der vierthöchsten Spielklasse. Jetzt mischt der Neuling die Regionalliga auf, im Aufstiegsfall stehen Auswärtsspiele gegen 1860 München in der Allianz-Arena oder den 1. FC Köln in Müngersdorf an. „Das Niveau des Trainings und einiger Spieler war schon in der Oberliga höherklassig“, sagt Coach Weber. Er bezeichnet Regisseur und Kapitän Torsten Ziegner, den 15-fachen Torschützen Sebastian Hähnge, Mittelfeldabräumer Ronny Thielemann und Abwehrchef Holger Hasse als die tragenden Kräfte. Eigengewächse wie Tobias Werner und der vom 1. FC Nürnberg umworbene Ralf Schmidt würden zudem zu einer tollen Mischung beitragen.

Auch wenn große, mit der Stadt verbundene Firmen wie Namensgeber Carl Zeiss seit Jahren keinen Cent geben, soll der Etat im Aufstiegsfall von jetzt 2,1 Millionen Euro auf 5,5 bis 6 Millionen erhöht werden. Der DFB hat die Lizenz für die Zweite Liga bereits erteilt. Am Ernst- Abbe-Sportfeld muss jedoch nachgebessert werden. Die Besucher-Kapazität soll von 12 000 auf 15 000 steigen. Auch das Spielfeld entspricht nicht den DFB-Vorgaben und muss um 2,50 Meter auf 105 Meter verlängert werden. Gemessen an der sportlichen Leistung dürfte das der kleinere Kraftakt sein.

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