Sport : Traurige Fastnacht

Die Mainzer Niederlagenserie geht weiter

Friedhard Teuffel

Mainz - Die Niederlage des FSV Mainz 05 am Samstag war so deprimierend, dass selbst ein fröhliches Ritual in Gefahr geriet. Zum Rosenmontagszug gehört in Mainz schon seit einigen Jahren ein Wagen, auf dem die Fußballprofis und ihr Trainer Jürgen Klopp durch das närrische Treiben fahren. Aber wie passt das nun zusammen, oben die traurigen Fußballspieler und unten das fröhliche Volk?

Doch auch sechs Niederlagen in der Bundesliga in Folge können gegen die Macht des Brauchtums nichts ausrichten. Die Mannschaft und ihr Trainer steigen auch nach dem 0:3 gegen Hertha BSC auf den Wagen. „Wir feiern jetzt eben mit gebremstem Schaum“, sagte der Vereinspräsident Harald Strutz. Die Mainzer standen auch ein bisschen unter Druck. Denn selbst das Motto der diesjährigen Fastnachtskampagne haben die aufgestiegenen Fußballspieler mitgeprägt: „Nullfünfer un die Fassenacht sin wie de Dom fer Meenz gemacht.“

Im Moment sind Fußball und Fastnacht jedoch Gegensätze. Nach ihrem furiosen Saisonstart ist die Ernüchterung eingekehrt. Auch gegen die Berliner wurden wieder spielerische Mängel deutlich. Stürmer Benjamin Auer traf zweimal aus guter Position nicht ins Tor. Viele zwingende Torgelegenheiten konnten sich die Mainzer nach den ersten zwanzig Minuten nicht mehr erarbeiten.

Dennoch haben die Mainzer noch einen kleinen Sicherheitsabstand zu den Abstiegsplätzen, und bisher spielen die Konkurrenten um den Klassenerhalt meistens für die Mainzer.

Gerade jetzt bleibt Trainer Jürgen Klopp bei seiner Linie und seiner Ansicht, genügend begabte Spieler zu haben. Er glaubte, ein „Riesenspiel“ seiner Mannschaft gesehen zu haben, in dem die Berliner nur in einem Punkt überlegen waren: in der Effektivität.

Als Herthas Trainer Falko Götz trocken feststellte, die bessere Mannschaft habe verdient gewonnen, fühlte sich Jürgen Klopp angegriffen. Er nahm das Blatt mit der Spielstatistik zur Hand und zählte auf: „Die schlechtere Mannschaft hat 17 Mal aufs Tor geschossen, die bessere fünf Mal, die schlechtere Mannschaft hatte fünf Ecken, die bessere gar keine.“

Die Leistungskriterien waren für Klopp diesmal solche statistischen Werte, über die Unzulänglichkeiten im Spielaufbau sah er hinweg. Der Mainzer Trainer bleibt bei seiner intelligent-naiven Auffassung, dass seine Mannschaft nur gut organisiert und leidenschaftlich spielen müsse, um wieder erfolgreich zu sein: „Wenn man so wie wir jetzt Fußball spielt, dann werden wir auch wieder gewinnen.“

Die Niederlage gegen Hertha BSC ohne eigenen Torerfolg war wie ein kleiner Aschermittwoch, und der Mainzer Trainer sagte: „Es tut mir in der Seele weh. Die Mannschaft wird seit Wochen nicht belohnt. Das ist brutal.“ Seine Spieler nimmt Klopp zurzeit in Schutz wie ein großer Bruder.

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