Sport : Treffen der Generationen

Benedikt Voigt

Svetislav Pesic lässt man nicht warten. Das hätte der Brachialkomiker Stefan Raab eigentlich wissen müssen, als er vor zwei Wochen zum Probetraining beim Basketball-Bundesligisten Rhein Energy Cologne erschien. Vielleicht aber wollte der TV-Moderator einfach seinem Bericht unter der Rubrik "Raab in Gefahr" noch etwas Intensität hinzufügen, als er einige Minuten zu spät dort erschien, wo der wegen seines harten Trainings berüchtigte Basketballtrainer die Übungen diktiert. Svetislav Pesic hatte genau sechs Worte für den Lautsprecher der Spaßgesellschaft übrig: "Montag ist wohl nicht dein Tag."

Früher, als er noch nicht Trainer in der Medienstadt Köln war, hätte sich Svetislav Pesic auf eine derartige Showeinlage erst gar nicht eingelassen. In seiner Berliner Zeit hatten Journalisten beim Training keinen Zutritt, und wenn ein Spieler wie Terry Dehere den Ball zweimal durch die Beine dribbelte und dann aus acht Metern in den Korb warf, regte sich Pesic auf: "Wir brauchen keinen Zirkus-Basketball." Es hat sich etwas geändert, und das werden die Zuschauer heute beim Spiel Alba Berlin gegen Rhein Energy Cologne (15 Uhr, live in Sat 1) auch sehen. Svetislav Pesic, der Alba als Trainer in den Jahren 1993 bis 2000 groß zog, wird sich zum ersten Mal in der Max-Schmeling-Halle auf die Seite der Gastmannschaft stellen.

Er wird das nicht als Einziger tun. Die Kölner Spieler Drazan Tomic, Stephen Arigbabu, Sasa Obradovic und Vladimir Bogojevic trugen ebenfalls das Alba-Trikot. "Das ist Alba gegen Alba", sagt Emir Mutapcic, Pesics Nachfolger in Berlin. Oder wie der ehemalige Basketballprofi Henning Harnisch formulierte: "Ich lasse mir dieses Inzest-Spiel nicht entgehen". Wenn man das Spiel, für das gestern bereits 7000 Karten verkauft waren, als unsittliche Beziehung sehen will, ist es keine Liaison zwischen Geschwistern. Sondern zwischen Generationen.

Die Kölner Mannschaft repräsentiert das Alba der neunziger Jahre. Die Twens Stefano Garris, Tommy Thorwarth, Sven Schultze und Stipo Papic bilden hingegen das junge Alba-Team aus dem Jahr 2001. Die beiden befreundeten Trainer, Pesic-(52) und Mutapcic (41), stammen ebenfalls aus unterschiedlichen Altersstufen. Am schönsten aber manifestiert sich das Spiel der Generationen in der Familie Pesic: Vater Svetislav trifft auf seinen Sohn Marko (siehe neben stehender Bericht).

"Wir wollen Alba nicht eins zu eins übernehmen", sagt Stephan Baeck. Der Manager der Kölner muss gegenwärtig Basketball-Aufbauarbeit in der Stadt leisten. Waren die eigenen Fans unter den 15 000 Zuschauern im ersten Spiel in der Kölnarena nicht zu hören, so gab es unter den 4400 Zuschauern zuletzt erste, wenn auch wenig originelle Anfeuerungsrufe: "En - ner - dschie". Das Konzept, auf ein Nachwuchsteam in der Zweiten Liga (TuS Rhöndorf) zu setzen und nicht nur ausländische Spieler zu verpflichten, ähnelt dem der Berliner. "Aber das ist nicht Alba-spezifisch", sagt Baeck, "so was muss man machen, wenn man langfristig plant." Nach zwei Niederlagen zu Saisonbeginn und der Verpflichtung von Arigbabu gewann Köln fünf Spiele in Serie. "Aber die musste man gewinnen", sagt Baeck. Beide Mannschaften sind punktgleich, weshalb sich heute zum ersten Mal zeigt, welches Alba besser ist: Neu oder alt.

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