Sport : Treffen ohne Hinsehen

Dallas besiegt in einem dramatischen NBA-Spiel den Angstgegner Sacramento 129:123

Benedikt Voigt

Berlin. Eigentlich war es nur eines von 82 regulären Saisonspielen. Trotzdem rannten die Basketballprofis der Dallas Mavericks jubelnd vom Parkett der Arco Arena in Sacramento und freuten sich, als hätten sie gerade etwas Bedeutsames vollbracht. Chris Webber von den Sacramento Kings wunderte sich über so viel Begeisterung bei den gegnerischen Spielern: „Als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen.“

Es war natürlich noch nicht der Meistertitel in der nordamerikanischen Profiliga NBA. Aber für den Weg dorthin könnte der 129:123-Sieg nach Verlängerung der Dallas Mavericks über den großen Rivalen im Westen von großer psychologischer Bedeutung sein. Die Mannschaft der deutschen Nationalspieler Dirk Nowitzki und Shawn Bradley ist bislang das beste Team der NBA, doch gegen Sacramento hatte sie in dieser Saison die ersten drei Spiele nicht gewinnen können. Schlimmer noch. Nimmt man die mit 1:4 verlorene Play-off-Serie des vergangenen Jahres hinzu, verlor Dallas die letzten sieben Spiele in Folge gegen Sacramento. Die Mannschaft aus Kalifornien drohte für Dallas zum Angstgegner zu werden. Bis zum Sonntag. „Das ist ein riesiger Sieg für uns“, sagte Aufbauspieler Michael Finley, „es ist einfach gut, ein Team zu schlagen, das wir ein ganzes Jahr lang nicht besiegen konnten.“

Matchwinner in dem dramatischen Spiel war Dallas’ Aufbauspieler Steve Nash. Zweieinhalb Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit traf er im zweiten Versuch einen Dreipunktewurf zum 111:111 und schickte das Spiel in die Verlängerung. In dieser erzielte der Kanadier noch weitere zwölf Punkte. „Er hat auch noch getroffen, wenn er den Korb nicht gesehen hat“, sagte Finley über die erstaunliche Trefferserie seines Teamkameraden. Dirk Nowitzki spielte mit einer leichten Bänderdehnung im linken Fuß, was ihn jedoch nicht daran hinderte, mit 34 Punkten Topscorer der Partie zu werden. Zudem fing er 18 Rebounds, so viele wie noch nie in dieser Saison. Shawn Bradley dürfte als einziger Maverick nicht so gute Erinnerungen an dieses Spiel besitzen. Der Centerspieler, der im September bei der Europameisterschaft für Deutschland spielen soll, kam in acht Minuten Spielzeit auf lediglich einen Punkt und einen Rebound. Im dritten Viertel hatte sich Bradley mit Trainer Don Nelson gestritten, der ihn daraufhin aus dem Spiel nahm und erst in der Verlängerung wieder kurzzeitig aufs Feld schickte.

Der Coach wollte den Erfolg nicht überbewerten. „Die Kings haben uns in dieser Saison trotzdem geschlagen“, sagte Don Nelson, „wir haben nur ein Spiel nach Verlängerung gewonnen – das bedeutet mir nicht viel“. Nach Spielen verlor Dallas das Duell der beiden Meisterschaftsfavoriten mit 1:3, gegen die Los Angeles Lakers und San Antonio Spurs steht es gegenwärtig 1:1. Mit 50 Siegen sind die Mavericks weiter die Mannschaft mit der besten Bilanz in der NBA, doch das nützt ihnen nicht mehr so viel, wenn die Play-offs am 19. April beginnen. Chris Webber jedenfalls hat sich über den Jubel der Mavericks am Sonntag geärgert. „Vielleicht sehen wir sie ja wieder – und dann werden wir uns daran erinnern.“

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