Sport : Treffsicher zur Entscheidung

Albas Basketballer haben Oldenburg zum Saisonauftakt besiegt – zufrieden sind sie trotzdem nicht

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Das Spiel in der Max-Schmeling-Halle geht in die entscheidende Phase im letzten Viertel. Der Berliner Tanel Tein hat gerade zwei Dreipunktwürfe nicht getroffen, die EWE Baskets Oldenburg haben dadurch immer noch die Chance, den Favoriten Alba Berlin zu schlagen. Die Gäste liegen nur knapp hinten, und an ihrer Körpersprache ist zu sehen, dass sie die Überraschung schaffen wollen. Doch Alba ist im Angriff, Tein will den Ball haben, er gestikuliert wild. Dann bekommt er ihn, springt hoch – und trifft. Drei Punkte für Berlin. Ein wichtiger Treffer. Alba führt nun 72:65 und gewinnt am Ende 85:77.

Tanel Teins Leistung an diesem Freitagabend steht exemplarisch für die seiner Mannschaft: Er spielt sehr durchwachsen, in den entscheidenden Situationen ist er aber treffsicher und selbstbewusst. Viele der 7008 Zuschauer in der Halle hatten erwartet, dass Alba eine durchschnittliche Bundesliga-Mannschaft wie Oldenburg ohne größere Schwierigkeiten würde besiegen können. Denn in der Vorbereitung strotzte das Team nur so vor Selbstvertrauen, dominierte starke Gegner wie den türkischen Meister Efes Pilsen Istanbul oder den deutschen Pokalsieger aus Köln scheinbar nach Belieben.

Das bis kurz vor Schluss hart umkämpfte und knappe erste Bundesliga-Spiel dürfte die Erwartungen wieder auf ein gerechtes Maß gestutzt haben. „Die Bundesliga ist kein Spaziergang“, sagt Trainer Emir Mutapcic. „Wir müssen auf den Boden der Tatsachen zurückkehren, gegen Oldenburg hatten wir zu viele Ups and Downs.“

Mit „Ups and Downs“ meint der 44-Jährige die Leistungsschwankungen seiner Mannschaft, die in der ersten Halbzeit schon mit zehn Punkten führte, Oldenburg aber trotzdem wieder ins Spiel kommen ließ. Auch Albas neuer Flügelspieler Tanel Tein ist nicht zufrieden mit dem Saisonstart seines Teams: „Einer Spitzenmannschaft passieren solche Schwankungen nicht.“ Auf die Frage, woran die Berliner arbeiten müssen, um derartige Schwankungen in Zukunft zu verhindern, antwortet der 26-jährige Este: „An allem.“ Tanel Tein ist ein ehrgeiziger Spieler, ein Perfektionist. „An mir selbst muss ich natürlich am meisten arbeiten“, sagt er.

Tein wechselte vor dieser Saison vom polnischen Vizemeister Slask Wroclaw zu Alba. Er unterschrieb einen Einjahresvertrag in Berlin. „Längere Verträge mache ich grundsätzlich nicht, weil ich mich in jedem Jahr verbessere und dann einen besseren Vertrag kriegen kann.“ Der 26-Jährige ist selbstbewusst. „Das muss man als Basketballspieler auch sein, ansonsten kommt man nicht weit.“ Bereits mit 15 Jahren debütierte der talentierte Werfer in der ersten Liga Estlands, inzwischen ist er eine Stütze in der Nationalmannschaft seines Heimatlandes.

Heute um 15.00 Uhr spielt Alba im zweiten Saisonspiel bei den Gießen 46ers. Ob Tein schon wisse, was seine Mannschaft gegen die Hessen besser machen könne, als im Auftaktspiel gegen Oldenburg? Der Berliner hat darauf eine einfache Antwort: „Alles.“

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