Sport : Tremmel soll sich hüten

Herthas Ersatztorwart hat zuletzt stark gehalten – und muss trotzdem Christian Fiedler weichen

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Gestern Nachmittag rutschte Gerhard Tremmel immer wieder über den nassen, matschigen Rasen auf dem Schenckendorffplatz. Christian Fiedler schoss aus elf Metern Entfernung auf sein Tor. Dann tauschten die beiden Torhüter von Hertha BSC die Positionen – Fiedler warf sich den von Tremmel getretenen Bällen entgegen. Im heutigen Bundesligaspiel beim VfL Wolfsburg will Fiedler wieder mit Tremmel tauschen. Der Ersatztorwart der Berliner hatte Fiedler in den beiden Bundesligaspielen gegen Eintracht Frankfurt und Bayern München vertreten – und dabei überragend gehalten. In Frankfurt war es allein Tremmel zu verdanken, dass Hertha nur einen Gegentreffer kassierte und 1:1 spielte. Inzwischen hat der 30-jährige Fiedler seinen Muskelfaserriss im Oberschenkel auskuriert. Wahrscheinlich wird er heute auch spielen dürfen.

Und doch hat sich mit den starken Leistungen von Gerhard Tremmel etwas bei Hertha BSC verändert. Christian Fiedler ist seit 2004 Stammtorwart der Berliner. Doch Trainer Falko Götz spricht sich längst nicht mehr so eindeutig für Fiedler aus, wie er es in den vergangenen Spielzeiten und zum Beginn dieser Saison getan hatte. Noch vor der Partie in Frankfurt hatte Götz erzählt, „dass wir eine klare Hierarchie auf dieser Position haben, an der sich nichts ändern wird.“ Das sei unabhängig von den Leistungen Gerhard Tremmels. Inzwischen hört sich Götz ein bisschen anders an: „Wenn Fiedler zu 100 Prozent fit ist, dann spielt er“, sagt Götz zwar. „Wenn er nur 99 Prozent sind, dann müssen wir kein Risiko eingehen.“ Fiedler selbst glaubt, dass er bereit für seine Rückkehr ist. „Sonst würde ich nicht trainieren“, sagt er. Weder Tremmel noch Fiedler wussten gestern, ob sie zum Einsatz kommen werden. Erst bei der Mannschaftssitzung vor dem Spiel will Trainer Falko Götz seinen Torhütern mitteilen, wer auflaufen darf. Götz habe seine Entscheidung allerdings schon getroffen.

Der Trainer lässt die Torhüter wohl auch deshalb im unklaren, weil er den Druck im Training aufrecht erhalten möchte. Christian Fiedler spürt das anscheinend – und es gefällt ihm nicht. Am Donnerstag blaffte er: „Kein Kommentar!“ Gestern beantwortete er Fragen mit kurzen Sätzen. Gerhard Tremmel dagegen wirkt gelöster. „Ich bin keine Nummer zwei“, sagt er. Auf seiner Homepage ist außerdem zu lesen, dass Tremmel sich fragt, „ob es einen Grund gibt, am Wochenende an der zuletzt guten Positionsverteilung etwas zu ändern“.

Auch heute beim Gastspiel in Wolfsburg wird die Anspannung bei Christian Fiedler größer sein als bei Gerhard Tremmel. Der 27-Jährige wird Fiedler von der Bank aus genau beobachten. Falko Götz auch.

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